20.000 km im Hyundai Ioniq Electric. Erfahrungen

Nach nicht einmal 6 Monaten war es so weit. 20.000 km im Hyundai Ioniq electric waren erreicht. Wie lautet das Fazit des ersten halben Jahres? Welche Mängel tauchten auf? Was könnte man besser machen? Welche Kosten sind mir bisher entstanden?

Die Defekte

Vorweggenommen, es gab nur einen Defekt. Und den bereits ab Werk. Bei der Abholung Ende Dezember 2018, bei scheußlichem Wetter, wollte der Regensensor nicht so wie ich mir das vorgestellt habe. Zuhause angekommen erst mal das Handbuch gewälzt. Bedienungsfehler?
Nein, war es im nachhinein gesehen nicht. Per Ferndiagnose und Bilderversand per Mail, wurde von meiner Vertragswerkstätte Autohaus Breu in Straubing, vermutet, dass der Regensensor fehlerhaft verklebt wurde. Es wurde ein neuer Sensor bestellt und dieser, selbstverständlich auf Garantie, eingebaut.
Seitdem funktioniert er tadellos. Entweder war der Regensensor ab Werk nicht vollständig bündig verklebt, oder die Verklebung hatte sich während des Transports gelöst.
Fakt ist jedenfalls, wenn sich Lufteinschlüsse in Sensornähe befinden, funktioniert dieses Teil nicht mehr so wie es soll.
Zusammenfassung, erster und bisher einziger Defekt bei meinem Ioniq.

Ansonsten bisher keinerlei Probleme. Fahrzeug starten und läuft. So wie es sein soll!

Die Kosten

Alles in Allem, überschaubar. Oftmals ein vermeintliches KO-Kriterium für Elektroauto-Kritiker, der hohe Anschaffungspreis. Dies kann ich nur zum Teil bestätigen. Sicherlich kein Schnäppchen, aber ein Preis von rund 32.000 Euro inklusive Winterrädern ist, verglichen mit den Konkurrenzprodukten, überschaubar. Der Preis ist allerdings schon nach Abzug der Elektroautoförderung von 4.000 €, den sich Händler und Staat teilen.
Bei einem etwaigen Vergleich sollte auch das umfangreiche Ausstattungspaket mit in die Betrachtung einfließen. Wer mehr dazu wissen will, siehe hier.

Bei 15.000 km ist beim Ioniq eine Wartung fällig. Kosten 74 €. Preis geht in Ordnung, wenngleich eine wirkliche Wartung nach dieser Fahrleistung eher nicht notwendig wäre.

Was bleibt den noch an Kosten? Die Energiekosten. Wenn man diese Kosten, auf die Laufleistung gerechnet, mit einbezieht, dann relativiert sich der vermeintlich höhere Anschaffungspreis doch erheblich.
Ich habe mit einem OBD-Dongle und dem Programm Torque Pro ausgelesen, wieviele kWh ich für die zurückgelegten 20.000 km geladen habe. Es waren rund 2.900 kWh. Das entspricht dann einen Durchschnittsverbrauch von etwa 14,5 kWh auf 100 km. Hätte ich diese 2.900 kWh an meinem Haushaltsstrom geladen, wären dies Kosten von 870 €, auf 100 km gerechnet 4,35 €.

Bereits diese Zahlen verdeutlichen, einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber Diesel und Benzin. Besser wird es noch, wenn man die tatsächlich aufgelaufenen Kosten betrachtet.
Es gibt immer noch zahlreiche kostenlose Ladesäulen, es gab Aktionsangebote zum günstigen Laden und es gibt Ladeflatrates. Wohlgemerkt sind die Stromtarife im Umbruch, was das öffentliche Laden betrifft, aber der Haushaltsstrom wird sich so schnell nicht verteuern.

An öffentlichen Ladesäulen habe ich im ganzen Zeitraum für ca. 120 € geladen. Tatsächlich zu Hause geladen habe ich für etwa 180 €. Gesamtenergiekosten bisher 300 € für die 20.000 km. Auf 100 km gerechnet 1,50 €. Das wird mit einem Diesel oder Benziner schwierig.
Die Energiekosten sind so tatsächlich entstanden. Also nicht fiktiv, geschätzt, geschönt oder Wunschvorstellung. Und ja, es kann sein, dass Strom teurer wird. Aber die bisherige Ersparnis nimmt mir keiner mehr weg. Kritiker der Elektroautos rechnen ja oft mit vielen Unbekannten um auf schlechtere Ergebnisse zu kommen. Oben angegeben sind Erfahrungswerte.

Das Fahren im Elektroauto

Vermisse ich meinen Diesel? Nein! Eindeutig nein! Ein Verbrenner kommt für mich (und für sehr, sehr viele andere Elektroautofahrer) nicht mehr in Frage. Die Technik ist einfach überholt. Ob das Elektroauto die Technik der Zukunft sein wird, wird sich entscheiden. Aktuell bzw. die nächsten Jahre, ist sie definitiv die Technik der Wahl.

Ich habe Beschleunigungswerte wie in einem deutlich leistungsstärkeren Verbrenner. Der Verbrenner braucht dazu einen hubraumstarken Motor bzw. Turboaufladung und vielerlei technischen Schnickschnack. Ich habe einen Elektromotor und einen Akku. Und je mehr man über den Technologieunterschied nachdenkt desto absurder kommt einen das Ganze vor. Welche Kniffe und Anstrengungen man beim Verbrenner braucht, um auf Leistung zu kommen.

Dazu fahre ich beinahe geräuschlos und vibrationsfrei. Nicht hoch genug einzuschätzen. Wer allerdings zur Untermalung der eher zaghaften Beschleunigung das Verbrennergeräusch aus einem Sportauspuff benötigt, nun gut, der soll weiter Verbrenner fahren.

Das Fahren ohne Schaltvorgänge, mit hohem Drehmoment von Anfang an und die Fahrassistenzsysteme tragen zusätzlich zum hohen Fahrkomfort bei.
Der verbaute aktive Spurhalteassistent funktioniert auf Autobahnen und gut markierten Landstraßen sehr gut und unterstützt spürbar.
Der Abstandstempomat über den kompletten Geschwindigkeitsbereich funktioniert sogar hervorragend. Eine erhebliche Erleichterung beim Fahren. Der Stau hat seinen Schrecken ein wenig verloren.
Das Navigationssystem mit Live-Daten ist im Großen und Ganzen auch sehr zuverlässig. Das Audiosystem ebenfalls ohne Kritik. Android-Auto, kabelloses Laden des Smartphones, Reichweitenvorhersage, Instrumente. Alles wunderbar.

Gar keine Kritik?

Nein, ein perfektes Auto ist leider auch der Ioniq nicht, auch wenn er nahe dran ist. Was den Fahrkomfort etwas schmälert sind die Sommerreifen, die ab Werk verbaut sind. Zumindest sind diese, laut Forenberichten, verantwortlich für leichte Brummgeräusche zwischen 80 und 100 km/h. Man wird sehen, ob diese Brummgeräusche nach einem notwendigen Reifenwechsel verschwunden sind.

Die Klimaautomatik funktioniert über einen großen Bereich tadellos. Jedoch, während der Übergangsjahreszeit, ist öfter ein Eingriff in die Temperatursteuerung notwendig weil es immer mal wieder zu warm oder zu kalt wird, bei längerer Fahrtdauer. Da ist die Regelung nicht optimal.

Bei jedem Starten des Fahrzeugs muss man immer wieder die selben Tasten drücken, weil der Ioniq sich bestimmte Einstellungen nicht merken kann. VESS (elektrischer Motorsound als Fußgängerwarnung) aus. Auto Hold (damit ich an der Ampel nicht auf der Bremse stehen muss) an. Handy Hotspot für Live-Daten einschalten. Dies habe ich allerdings inzwischen mit einer App automatisiert. Sobald sich das Handy per Bluetooth mit dem Ioniq verbindet, wird der Hotspot gestartet und beim Trennen auch wieder gestoppt. Die App nennt sich Carspot Ready und ist über den Google Play Store kostenlos erhältlich.

Das war’s mit Kritik?

In Bezug auf den Ioniq tatsächlich ja. Es wäre auch ein wenig enttäuschend wenn es nach einer Fahrleistung von 20.000 km bereits groß Kritik gäbe. Aaaaber….

Was nicht zufriedenstellend ist, ist die Ladeinfrastruktur in Deutschland.
Es ist, zum jetzigen Zeitpunkt, noch nicht mal die reine Anzahl an Ladesäulen. Die, auch von den deutschen Automobilherstellern, geäußerte Kritik, es fehle an Ladesäulen, ist so nicht ganz richtig. Das größere Problem ist, meiner Meinung nach, die Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur.
Immer wieder defekte Ladesäulen, wohlgemerkt über Wochen, sind ein viel größerer Hemmschuh für die Massentauglichkeit der Elektromobilität. Es erfordert nach wie vor noch einen gewissen Planungsaufwand, um auf Reisen immer einen Plan B zu haben. An vielen Standorten gibt es eben nur diese eine Ladesäule. Es gibt keine Redundanz, was vieles entspannter machen würde.
Und diese eine Ladesäule kann auch mal besetzt sein. Vor allem bei kostenlosen Säulen nicht so ungewöhnlich. Keiner will auf Reisen eine halbe Stunde warten bis er Laden kann. Schon gar nicht der skeptische Umsteiger vom Verbrenner. Das muss besser werden.

Für den Alltag ist diese Problematik nicht so groß. Auf den täglichen Fahrten kennt man die Lademöglichkeiten und auch Alternativen. Zudem kann mancher zu Hause oder beim Arbeitgeber laden.
Aber ein Auto wird von vielen eben nicht nur zum Pendeln genutzt. Es soll auch größere Strecken bewältigen können. Der Ioniq kann das, dank kurzer Ladezeiten. Die deutsche Ladeinfrastruktur kann da allerdings nur bedingt mithalten. Es nervt, keine Gewissheit zu haben, dass ich an meinem geplanten Lade Stop auch tatsächlich Laden kann.

Und genau da hat Tesla einen riesigen Vorteil. Ich kaufe nicht nur einen Tesla, ich kaufe die Ladeinfrastruktur mit. Und das ist, nach meinen Erfahrungen bisher, ein wirklich großer Vorteil gegenüber allen anderen Elektroauto Herstellern.

Man kann nur hoffen, dass sich dies in naher Zukunft verbessern wird.