Der E-Auto Gipfel

Zum E-Auto Gipfel im Bundeskanzleramt waren am 24.06.2019 eine Auswahl an Vertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik geladen. Die Selektion der teilnehmenden Personen zeigte schon in etwa auf, welches Ergebnis zu erwarten war. Kurzum gesagt, das Ergebnis war dürftig und man hat sich im Großen und Ganzen auf den Herbst des Jahres vertagt.

Die Teilnehmer

Teilgenommen haben unter anderem Kanzlerin Angela Merkel, VW-Chef Herbert Diess, BMW-Chef Harald Krüger (das Thema BMW ist einen eigenen Artikel wert), Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Umweltministerin Svenja Schulze, Finanzminister Olaf Scholz und der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) Bernhard Mattes.

Mattes äußerte nach dem Gipfel auch, dass man sich auf einen “Masterplan” zum Ausbau der Ladeinfrastruktur geeinigt habe. Also erst mal nur ein Plan.

Der VDA Präsident ist auch der Meinung, man müsse sich momentan stark um die Elektromobilität kümmern um die Klimaschutzziele einhalten zu können.
Ja aber darum geht es wohl nur vordergründig. Man stellt wohl inzwischen fest, dass der Wandel zur Elektromobilität eine gewisse Dynamik entwickelt und die deutsche Automobilindustrie den Aufbruch ins Zeitalter der Elektroautos ein Stück weit verpennt hat. Halbherzig hat man einige Feigenblatt-Elektroautos am Markt. BMW i3, immer noch erfolgreich, aber nicht wirklich weiterentwickelt. E-Golf der ja jetzt in naher Zukunft ersetzt werden soll und evtl. noch den E-Smart, der inzwischen an die Chinesen verkauft wurde.

Zulassungszahlen der Elektroautos steigen stark

In den ersten 6 Monaten des Jahres 2019 wurden 31.059 reine Elektroautos zugelassen. Das sind 80,2 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2018. Im gleichen Zeitraum stieg die Zulassung an PKWs gesamt nur um 0,5 Prozent. Bemerkenswert ist die Steigerung bei Tesla um 395,1 Prozent.

Vor diesem Hintergrund hat die Industrie erkannt das man etwas tun muss. Um die Euphorie der Verbraucher etwas zu bremsen wurde vom VDA-Präsidenten erneut Wasserstoff als Energiequelle auf den Tisch gebracht. Zum jetzigen Zeitpunkt, für Autos auch in Zukunft, keine Alternative. Aber man hofft das einige Kunden weiterhin zögern und nicht auch noch zur Konkurrenz abwandern und Elektroautos kaufen. Vielleicht wartet der Eine oder Andere auf den Wasserstoffantrieb. Zeit gewinnen lautet die Devise.

In den nächsten 3 Jahren SOLL die Vielfalt an deutschen Modellen sich verdreifachen auf 100 Stück. Mitgezählt wurden da vermutlich wieder Hybride, oder wie es die Automobilindustrie nennt, elektrifizierte Fahrzeuge.

Verkehrsminister Andreas Scheuer, auch Teilnehmer der Veranstaltung, erklärte noch vor dem Auftakt der Veranstaltung:

Deutschland müsse in mehreren Disziplinen Weltmeister werden: E-Mobilität, Wasserstoff und alternative Antriebe (E-Fuels). Dies solle den Wohlstand in Deutschland erhalten und helfen die Klimaschutzziele zu erreichen. 

Wasserstoff als Alternative, in Wahrheit als Bremse

Wasserstoff und E-Fuels sind aber ganz sicher nicht geeignet die Klimaschutzziele zu erreichen. Es ist erheblich ineffizienter, als den Strom direkt im Elektroauto für den Antrieb zu nutzen. Vielmehr sind diese Energiequellen geeignet den Wohlstand in Deutschland zu erhalten, jedenfalls aus Sicht des Verkehrsministers. Ein Plan der gewaltig nach hinten losgehen kann.

Der deutsche Markt ist ja nur ein kleiner Baustein für die deutschen Automobilhersteller. Global gesehen gerät man zusehends in die Defensive. Tesla drängt mit Macht nach vorne. Alltagstaugliche Fahrzeuge, eigene Akkufabrik und damit ein großer Kostenvorteil.
Aktuell krankt es für die deutschen Hersteller vor allem an den Möglichkeiten an die begehrten Akkus zu kommen. Der Weltmarkt ist begrenzt. Und jetzt ist es auf plötzlich so, dass die Zulieferer das Sagen haben. Nicht mehr der große Automobilkonzern, der um Margen verhandelt und sich den Zulieferer aussucht.

In meinen Augen war der E-Auto Gipfel eine Pleite. Keine Ergebnisse, keine Aufbruchstimmung, kein Ruck. Allein die Anzahl der Ladepunkte wird es nicht richten. Dazu bedarf es schon noch etwas mehr. Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur, Preisgestaltung, Strompreise an Ladesäulen.

Aber zumindest dieser letzte Punkt wurde zumindest schon mal in den Raum geworfen. Warten wir ab, was passiert. Der E-Auto Gipfel wurde seinem Namen nicht gerecht.