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Ladevorgang Elektroauto

Allheilmittel Elektroauto,
so wird oftmals bewusst provozierend in den sozialen Medien über das Elektroauto geurteilt. Kein vernünftiger Mensch wird das Elektroauto als Allheilmittel in der gegenwärtigen Klimadiskussion betrachten. Es kann Teil einer Lösung sein, jedoch ist es ganz sicher nicht DIE Lösung.

Gibt es also die Elektroauto Lüge?

Elektroautofahrer sind verblendet

So oder ähnlich gehen die kritischen Beiträge meist weiter. E-Auto Fahrer verkennen die Umweltproblematik, gerade beim Akku. Das Auto wird für sich schöngeredet. Verbrenner sollen verboten werden. Die Elektromobilität ist dafür verantwortlich das der Sprit so teuer wird. Eigentlich gibt es die ganze Klimadiskussion nur wegen den Elektroautofahrern. Und so weiter.
Nichts davon trifft zu. Aber das wollen die Stammtischpolitiker natürlich nicht hören. Ich hab dazu ja bereits einmal einen Artikel verfasst, über das Elektroauto-Bashing.
Jedoch nehmen die Anfeindungen immer mehr an Häufigkeit und Schärfe zu. Vielleicht kann ich hier ein wenig meine Sicht der Dinge darstellen. Und vielleicht kann man die ganze Diskussion auch wieder etwas mehr versachlichen. Die Elektroauto Lüge gibt es, allerdings durch bewusst verbreitete negative Falschdarstellungen.

Woran niemand denkt ist der Akku

Seid versichert liebe Kritiker, die allermeisten Elektroautofahrer haben sich eingehender mit dem Thema Elektroauto befasst als ihre Kritker. Kaum jemand wird sich ein Auto zwischen Tür und Angel kaufen. Und gerade bei einem so gravierenden Umstieg, der es für die meisten ja ist, vom Verbrenner zum Elektroauto, informiert man sich umfassend.
Wie jede Rohstoffgewinnung, ist auch die Gewinnung von den meist kritisierten Rohstoffen Lithium und Kobalt umweltbeeinflussend. Das ist uns bewusst. Kein Auto zu fahren ist sicher die Beste Lösung. Aber so wie ihr Verbrennerfahrer auf euren fahrbaren Untersatz angewiesen seid, so sind es auch wir Elektroautofahrer. Autofahrer sind wir alle, nur mit unterschiedlichem Antrieb.

Wer denkt beim Kauf eines Diesel-PKW an die Erdölgewinnung, an die Umweltkatastrophen die dabei enstanden sind und immer noch entstehen?

Also ja, die Gewinnung der Rohstoffe ist umweltschädlich und die Herstellung der Batterie ist energieintensiv. Diese Punkte sind bekannt. Was jedoch regelmäßig nicht beachtet wird, ist diese negativen Anhaltspunkte in Relation zu setzen.

Ist es denn so, das ein Verbrenner umweltfreundlich hergestellt wird und vor allem auch betrieben wird? Nein, das ist es nicht. Es wird nur gern nicht erwähnt, welche gravierenden Folgen auch bei dieser Antriebsform für die Umwelt entstehen.

Als Vergleich sei dieser Wikipedia-Artikel über die schlimmsten Ölunfälle empfohlen

Der Wasserverbrauch bei der Gewinnung von Lithium

Es gibt unterschiedliche Studien, die sich mit diesem Thema befassen. Ein Bericht im Magazin edison des Handelsblatts vom März 2019 kommt zu folgenden Werten.

Für eine Batterie in einem aktuellen Elektroauto werden, je nach Größe, im Durchschnitt ca. 15 kg Lithium eingesetzt. Für die Gewinnung dieses Lithiums muss demnach 6.000 Liter Sole zum verdunsten gebracht werden. Im ungünstigsten, jedoch im Bericht widerlegten, Fall, 30.000 Liter.
Diese Sole wird nicht eins zu eins wieder mit Frischwasser ersetzt. Teile der Sole werden wieder zurück gepumpt. Es gibt inzwischen wohl auch das Verfahren, das Pazifikwasser zurück in die Sole gepumpt wird.
Das genutzte Wasser wird übrigens nicht verbraucht sondern wird wieder zum verdunsten gebracht. Leider regnet es eben nicht an Ort und Stelle wieder ab.
Grundlage der extremen Werte war ein schlecht recherchierter Bericht im ZDF der sich mit dem Lithium-Abbau beschäftigt hat. Jedoch nachweislich mit veraltetem und falschen Zahlenmaterial erstellt wurde.

Zusammenfassend kann man sagen:
Es wird Wasser in einer dünn besiedelten Wüstenregion genutzt um die Solebecken wieder aufzufüllen. Jedoch in erheblich geringerem Umfang als publiziert. Nehmen wir die o.a. 6.000 Liter. Das ist der Wasserverbrauch um 3 kg Rindfleisch herzustellen. Es gibt allerdings auch Schätzungen die deutlich höher angesetzt sind. Das gegenüberstellen von nackten Zahlen lässt uns dies erst richtig einordnen.
21 Millionen Liter Sole würden laut dem ZDF-Bericht täglich verdampft. Im Braunkohlerevier der Lausitz wird täglich die 30-fache Menge an Wasser abgepumpt.

Quelle für alle oben angegebenen Zahlen ist der oben verlinkte Bericht des edison Magazins, das noch zahlreiche weitere interessante Fakten behandelt. Lesenswert.

Zum Wasserverbrauch verschiedenster Lebensmittel sei ein Artikel des Presseportals empfohlen

Kinderarbeit beim Kobalt

Viele Kritiker haben sich den Schutz der Kinder bei der Gewinnung von Kobalt auf die Fahnen geschrieben. Neuerdings. Kobalt ist ein Rohstoff, der schon sehr lange für die Herstellung unterschiedlichster Waren benutzt wird.

Medizinprodukte, hochfeste Stahllegierungen, Katalysatoren, Porzellan (kobaltblau), Modeschmuck, Gelenkprothesen und vieles mehr.
Mir wäre noch in keinem Diskussionsbeitrag aufgefallen, dass man sich bei den obigen Produkten über Kinderarbeit aufgeregt hätte. Müsste man jedoch, gerade auch als Verbrennerfahrer, schon seit Jahren. Kurbelwellen und Nockenwellen wären ohne Kobalt undenkbar.

Gegen Kinderarbeit sollte in jedem Bereich vorgegangen werden. Oftmals wird das auch bereits getan, auch beim Kobaltabbau für die Batterieherstellung. Die großen Hersteller von Batterien haben Verträge mit den großen Bergbaugesellschaften und kaufen ihre Rohstoffe nicht auf dem grauen Markt. Ein Garant, das kein Kobalt aus Kinderarbeit im Akku steckt ist dies freilich nicht. Aber man ist sich dem Problem bewusst und führt unabhängige Kontrollen durch um die Kinderarbeit einzudämmen.

Neue Batterien enthalten zudem kaum noch Kobalt und in Kürze wohl überhaupt kein Kobalt mehr. Der Anteil ist die letzten Jahre stetig zurück gegangen. Die Zellchemie ändert sich.
Die größte Kobaltmine im Kongo, Hauptabbaugebiet von Kobalt, stellt ihren Betrieb zum Jahresende ein, weil der Kobaltverbrauch extrem zurückgegangen ist und es dadurch zu einem massiven Preisverfall gekommen ist.
Große Hersteller wenden sich vom Kongo, wegen der Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit, ab und kaufen ihre Rohstoffe inzwischen in Australien. Tausende Arbeitsplätze im Kongo sind damit verloren gegangen. Und damit meine ich nicht die illegale Kinderarbeit.

In welchen unglaublichen Umfang Produkte aus Kinderarbeit zu uns gelangen verdeutlicht die Organisation Aktiv gegen Kinderarbeit. Ein Blick auf deren Internetseite öffnet Augen.

Der Energieverbrauch bei der Batterieherstellung ist enorm

Auf der Startseite meiner Internetseite hab ich eine kleine Grafik installiert, anhand derer man ablesen kann, wieviel CO2 bei der Herstellung des Akkus erzeugt wurde. Gleichzeitig stelle ich den Energieverbrauch von Verbrennern und dem Elektroauto gegenüber.
Es gibt ihn den CO2 Rucksack, den jedes Elektrauto ab Werk bereits mit sich herumschleppt. Aber je weiter der Rucksack geschleppt wird desto schneller leert er sich. Ganz im Gegensatz zum Verbrenner. Je mehr der Verbrenner fährt desto voller wird sein Rucksack.
Aktuell sieht es so aus, dass nach 46.000 gefahrenen Kilometern der CO2 Rucksack meines Ioniqs abgegolten ist. Ab dann fahre ich deutlich CO2 freundlicher als jeder Verbrenner am Markt. Dauerhaft. Und dank steigender Quoten regenerativer Energieen auch immer sauberer.

Wo werden die Batterien entsorgt?

Nirgends. Die Rohstoffe sind viel zu wertvoll um sie zu entsorgen. Recycling ist möglich, bereits jetzt zu weit über 90 Prozent. Allerdings ist Recycling erst der zweite Schritt.
Unmittelbar an die Nutzung im Elektroauto wird sich in vielen Fällen eine Nutzung als stationärer Speicher anbieten.
Sollte die Kapazität für ein Elektroauto nicht mehr ausreichen, können diese Akkus noch jahrelang als stationärer Speicher eingesetzt werden. Reichweite spielt im Keller ja keine große Rolle. Und sollte irgendwann der Zeitpunkt kommen, das man die Batterieen auch für diesen Zweck nicht mehr sinnvoll nutzen kann, schließt sich ein Recyclingverfahren an. Lithium und Kobalt können zu sehr großen Teilen zurückgewonnen werden. Ein Recycling aus kleinen Akkus wie aus Handys, Tablets und Co. wird aus Kostengründen nicht durchgeführt. Dies sieht bei einem großen Akku, wie er eben im Elektroauto verwendet wird Gottseidank anders aus.
Also keinen dieser Akkus wird man auf einer Müllkippe wiederfinden. Die Bedenken sind unbegründet.
Die Schadstoffe die beim permanenten verbrennen von fossilen Brennstoffen entstehen sind dagegen durchaus in der Umwelt zu finden. Welche Lösung hat der geneigte Verbrennerfahrer?

Um bei den Worten der E-Auto Kritiker zu bleiben: Woran wieder mal keiner denkt……