Zuletzt überarbeitet by

E-Mobilität auf zwei Räder

Heute gibt es einmal keinen Bericht zum Thema Elektroauto. Das Thema ist: E-Mobilität auf zwei Rädern. Genau genommen will ich euch von meiner 4-Tagestour mit dem E-Bike berichten. Das E-Bike war für mich auch vor einiger Zeit der Beginn der Überlegungen, mir ein Elektroauto zu kaufen.

4 Tage, 520 km, 3.300 Höhenmeter

Tag 1

Kartenauszug Route Tag 1

Die Route führte mich von meinem Heimatort am ersten Tag über 145 Kilometer nach Wasserburg am Inn. Die Strecke bis dahin leicht hügelig und überwiegend auf wenig befahrenen Straßen und Radwegen.
Die vorhergesagte Höchsttemperatur von 32 Grad, ließ mich bereits relativ früh am Morgen, vor sieben Uhr, aufbrechen. Im nachhinein betrachtet die richtige Entscheidung. Wobei, eine halbe Stunde früher wäre noch besser gewesen. Doch davon später mehr.

Der Akku an meinem Bergamont e-contrail war vollgeladen. 500 Watt, die mich beim pedalieren unterstützen sollen. Nach knapp der Hälfte der Strecke war eine kleine Pause angebracht. Vilsbiburg war der Ort der Wahl. Direkt am Eingang zum Stadtplatz, hat mein Ladesäulen geschultes Auge eine E-Bike Ladestation erblickt. Na wenn es da sowas gibt, muss man das nutzen. Der Plan war eigentlich die Etappen jeweils ohne Zwischenladen während des Tages zu absolvieren. Nun gut. Eine gute halbe Stunde durfte das E-Bike nuckeln.

Der Strombedarf ist während des Radfahrens aber nicht mal das größte Problem. Nerviger sind viel mehr die Wasser Tankstopps. Ich fahre mit einer 2,5 Liter Trinkblase im Rucksack. Normales Leitungswasser ist mir allerdings etwas zu fad. So bin ich zum Wasser tanken immer gezwungen an einem Supermarkt halt zu machen. Rein, Wasser kaufen, Raus, Wasser in Trinkblase füllen, Rein, Pfandautomat, Kasse, Pfand abholen, Raus, weiter geht’s. Ziemlich viel hin und her, aber das Pfandsystem will es so.

Es pressiert

Am frühen Nachmittag des ersten Tages, so gegen 14.00 Uhr, türmten sich die ersten mächtigeren Gewitterwolken in der Richtung, die mir gefährlich werden könnte. Vorher waren nur vereinzelt, weiter entfernte Gewitterwolken zu sehen und zudem von der Zugrichtung unproblematisch. Aber diese Wolken im Westen waren bedenklich. Kurzer Stop vor Haag in Oberbayern, Wetterradar am Handy checken. Könnte noch klappen. Haag wäre eigentlich eh mein geplanter Übernachtungsstop gewesen, wenn die angesagten Gewitter zu früh loslegen würden.

Also wieder rauf aufs Rad und Vollgas. Das bisschen Zusatzstrom aus Vilsbiburg leistete jetzt an den kurzen Steigungen wertvolle Hilfe. Haag habe ich dann passiert, mit Donnergrollen im Rücken. Nach einigen Kilometern ging es dann bergab ins Inntal. Da wurde es schon windig. Noch etwa 7 Kilometer waren, entlang des Inns, auf schmalen Waldwegen zu absolvieren. Durch das dichte Blätterdach und die dunklen Gewitterwolken, die mich fast erreicht hatten, hätte ich fast mit Licht fahren müssen. Nachmittags um 15 Uhr. An der Stadtgrenze Wasserburg dann Aufatmen. Wieder in besiedeltem Gebiet. Der Abstand von Blitz und Donner war inzwischen schon bedenklich kurz. Es begann in dicken Tropfen zu regnen. Auf schnellsten Wege in die Innenstadt und bei nun schon stärkeren Regen die Tourist-Info gefunden. Dort war dann auch direkt gegenüber ein Hotel, das ich mir zur Übernachtung gegönnt habe. Während des eincheckens dann Wolkenbruch. Das Rad musste ich aber noch einmal komplett ums Gebäude in den Abstellraum schieben. Während dieser etwa 100 Meter gab es drei Blitze mit gleichzeitigem scharfen Donner. Also da war es dann selbst mir nicht mehr geheuer und ich war heilfroh unter Dach zu sein. Keine Minute hätte die Unterkunftssuche länger dauern dürfen.

Tag 2 – ins Zillertal

Route Tag 2

Der Tag startete relativ bewölkt. Die Straßen bereits größtenteils vom nächtlichen Regen getrocknet. Temperatur angenehm kühl. Der Akku war voll geladen, also es konnte los gehen.
Ab Wasserburg war nun der Inn-Radweg die gewählte Route. Die ersten Kilometer Richtung Rosenheim war vom Inn allerdings nichts zu sehen. Eine eher hügelige Strecke, gerade richtig zum warm werden.

Für die Streckenplanung habe ich meinen Garmin Radcomputer vorher am PC mit den einzelnen Etappen gefüttert. Meist habe ich mich auf den Garmin verlassen, manchmal auch auf die, teilweise lückenhafte, Beschilderung der Radwege. Der große Vorteil beim Garmin Computer, er zeigt mir jeweils das Höhenprofil meiner Strecke und die noch verbleibenden Kilometer.

An Rosenheim vorbei ging es dann zwischen die langsam höher werdenden Berge weiter den Inn entlang, bis der Weg dann schließlich abzweigt ins Zillertal. Es war eine überwiegend flache Strecke. Angenehme Temperaturen, kein drohendes Gewitter, kein Wind. Ideal.

Als Zielort hatte ich mir Zell am Ziller ausgesucht. Der Ort liegt direkt am Anfang des Aufstiegs über den Gerlos-Pass, der mich dann als nächstes beschäftigen sollte. Nach einchecken in einer schönen Unterkunft wurde das Wetter für den kommenden Tag gecheckt. Eher wechselhaft mit Gewitterneigung bereits am Vormittag.

In Anbetracht der Tatsache, das mein Hintern sich über die beiden langen Tage im Sattel nicht gerade glücklich zeigte, beschloss ich einen Ruhetag einzulegen. Einen Zeitpuffer hatte ich vorher bereits eingeplant, also kein Problem.

Tag 3 – Ruhetag

Der Tag startete vom Wetter her schöner als gedacht. Aber erste kleine Türmchen-Wolken, meist zuverlässige Gewitterboten, bereits früh am Morgen, bestätigten meinen Entschluss heute nicht zu Radeln. Ein kleiner Ausflug mit der Zillertalbahn nach Mayerhofen und ein Freibad Besuch. Bevor es dann, erst gegen 13 Uhr, zu Gewittern begann.

Bei frühem Start, wäre eine Fahrt über den Gerlos-Pass also durchaus möglich gewesen. Aber Gewitter lassen sich schlecht vorhersagen und so war es gut so wie es war.

Tag 4 – Über den Gerlos nach Zell am See

Route Tag 3

Zeitig am Morgen ging es frisch gestärkt nach einem ausgiebigen Frühstück los. Der Aufstieg zum Gerlos-Pass beginnt gleich am Ortsende von Zell am Ziller relativ steil. Es gilt einige Kehren zu bewältigen und die Steigung ist gleichbleibend. Am Höhenprofil war abzulesen, dass es nach etwa 7 Kilometern dann etwas flacher wird und erst zum Schluß, ab Gerlos nochmals steiler bergauf gehen wird.
Da mein Akku für annähernd 100 Kilometer Strecke und 1.200 Höhenmeter reichen musste, war nicht mehr als die Eco-Unterstützung meines Elektromotors drin. Nur für wenige, besonders steile und kurze Abschnitte wurde eine Unterstützungsstufe mehr zugeschalten.
Ich konnte schlecht einschätzen, ob es tatsächlich reichen wird.
Das Wetter an diesem Tag war hervorragend, am Morgen kühl und blauer Himmel und tagsüber nur kleine Schönwetterwolken.

Der Gerlospass

Das Panorama auf dem Weg über den Gerlospass entschädigt für den, trotz E-Bike, anstrengenden Aufstieg. Ging allerdings schneller als gedacht. Das ist der große Vorteil des E-Bikes. Man erzielt, auch bergauf, einfach deutlich höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten bei gleicher Anstrengung. Nach einer kurzen Pause auf der Passhöhe in Königsleiten ging es dann die alte Gerlos-Straße hinab nach Wald im Pinzgau. Eine lange, landschaftlich reizvolle und kaum von Autos befahrene Abfahrt. Von da ab ging es dann, dem Tauern Radweg folgend, relativ flach dem Pinzgau entlang nach Zell am See, vorbei an Mittersill und Uttendorf. Dort tobte 2 Tage bevor ich dort ankam ein heftiges Unwetter. Der Radweg war gesperrt weil unpassierbar und halb Uttendorf war durch abgegangene Schlammlawinen beeinträchtigt. Grad in den Bergen sind Gewitter und Unwetter wirklich gefährlich. Zumindest hab ich bei Freizeitaktivitäten einen gehörigen Respekt.

Der weitere Weg wurde nur unterbrochen durch einen hervorragenden Eisbecher. In Zell am See stand dann noch die Unterkunftssuche bevor. Und da war dann auch mein Akku endgültig auf 0. Das war aber dann kein Problem mehr, Unterkunft gefunden, Beine ausgestreckt, Akku ans Ladegerät.

Tag 5 Zell am See zurück nach Deutschland

Karte Tag 4

Aufbruch war wieder zeitig am Morgen. Es ging noch ein Stück am See entlang den ich dann in nördlicher Richtung verlassen habe. Der Tauernradweg war dabei auch weiterhin mein Begleiter bis zum geplanten Zielort Freilassing. Das Wetter war an diesem Tag überraschenderweise bedeckt. Das ist zum Radfahren aber nicht mal das schlechteste. Es war zumindest nicht kalt, also alles gut.

Die Strecke führte über Saalfelden und Lofer nach Berchtesgaden. Landschaftlich auch ein sehr schöner Abschnitt, an der Saalach entlang. Links und rechts begleitet von den Bergen, die man dann in Berchtesgaden so langsam verlässt. Freilassing als Zielort ist dann schon wieder flach. Dort war dann der Umstieg in die Bahn für die letzte Etappe zurück bis nach Regensburg. Eigentlich.

Letzte Etappe mit Verlängerung

Für die letzte Etappe begab ich mich in die Hände der deutschen Bahn. Fahrkarte für mich und Karte fürs Fahrrad am Schalter gekauft und pünktlich fuhr der Zug in Freilassing ab. Zweimal umsteigen war angesagt. Mühldorf am Inn, mit ausreichend langer Umsteigezeit. Zwei Treppen ohne Aufzug oder Schieberampe waren zu bewältigen, aber ok.

Der zweite Umstieg dann in Landshut für die letzten Kilometer. Der vorgesehene Zug war ein Regionalexpress. Und der war mit Rädern voll. Also erst mal in den ersten verfügbaren Waggon mit Radabteil. Hauptsache im Zug. Da es der letzte Waggon des Zuges war, blieb ich bei meinem Rad stehen und wollte ursprünglich beim nächsten Halt einen anderen der insgesamt 3 verfügbaren Waggons mit Radabteil wählen. Da jedoch bis zum nächsten Halt weder Zugbegleiter noch Fahrgast bei mir vorbeikamen, hab ich beschlossen, ich bleib die dreiviertel Stunde einfach beim Rad stehen und stelle mich jeweils vor die Tür die nicht zum Ein- und Aussteigen benötigt wird.

Dies ging nur zwei weitere Haltestellen gut, dann kam eine wenig freundliche um nicht zu sagen übel gelaunte und vom ersten Moment an pampige Zugbegleiterin. Kein Gruß, nur die gebellte Frage wie lange stehen sie schon hier. Nach kurzer Erklärung meiner Lage kurz und knapp die Anweisung hier kann ich nicht bleiben ich muss den Zug beim nächsten Halt verlassen. Die anderen Wagen seien auch mit Rädern voll, es gibt für mich in diesem Zug keinen Platz. Mein Argument das ich keinen behindere, beim Rad bleibe und mich jeweils in die Ecke verziehe wo sowieso keiner hin muss wurde überhört.

Zug hält hier

Beim nächsten Halt stand die unfreundliche Zugbegleiterin dann hinter mir und sagte nur: “Und Bitte” und zeigte mir die Tür. Mein Versuch zum nächsten Waggon zu laufen und mein Glück dort zu versuchen wurde durch zügiges Schließen der Türen und eine Weiterfahrt des Zuges unterbunden.

Nun gut, ich hab ja noch mein Rad. Extra Etappe von 35 Kilometern bis nach Hause war angesagt. Es war schon relativ spät und auf den nächsten Zug in einer Stunde wollte ich nicht mehr warten, weil bei der Bahn ja auch niemand sagen kann, ob man mit dem Rad mitgenommen wird oder nicht. Meiner Meinung nach ein Riesen Manko. Ich kaufe eine Radkarte für den Zug, weiß aber nicht wann ich fahren kann. Sowas ist Mist.

Aber, Wetter war gut, der Hintern hatte sich schon etwas erholt und so radelte ich mir meinen Ärger wieder von der Seele. Von einer ursprünglich mal geplanten Beschwerde über die Zugbegleiterin (wegen Ihrer Umgangsformen, für die Vorschriften kann sie ja auch nix) habe ich dann wieder Abstand genommen.

Und nach 4 Tagen radeln war ich dann ohne jeglichen Defekt wieder zu Hause angekommen. Mehr Muskelkraft als E-Mobilität, aber das Quentchen extra Power und Sicherheit kam aus dem Akku.

Und so plane ich bereits für nächstes Jahr die nächste Tour. Ich werde berichten…