Clown Mario Barth

Mario Barth deckt auf-heute:
Das Elektroauto

Der bekannte Comedian Mario Barth hat sich bei RTL am Thema Elektroauto versucht. Beim Versuch ist es leider auch geblieben.
Man darf dabei sicher nicht vergessen das es sich bei Herrn Barth nur um einen Komiker handelt. Er ist in keinster Weise Fachmann was dieses Thema betrifft.
Zudem bereitet er das Thema für die Zielgruppe bei RTL sehr vereinfacht auf. Er versucht auf vermeintlich lustige Art abgedroschene Vorurteile, untermauert von sogenannten Experten, unters Volk zu bringen.

Ich hab mir die Sendung angetan. Ausser einem Schmunzeln über die oberflächliche, primitive und völlig ahnungslose Berichterstattung hat die Ausstrahlung bei mir nichts erreicht.

Doch sehen wir uns das Kunstwerk doch mal im Einzelnen an.

Reichweite

Reichweite sei das größte Problem der Elektroautos. Das war bereits vor hundert Jahren so, deshalb habe sich das Elektroauto auch nicht durchgesetzt. Aha. Zahlen oder Vergleiche sucht man da leider vergeblich. Nun gut.
Nehmen wir meinen Hyundai Ioniq. Der fährt mit einem 28 kW/h Akku rund 200 km weit. Im Mittel von Sommer und Winter. Der durchschnittliche deutsche Autofahrer legt am Tag 40 km zurück. Das heisst, für eine Arbeitswoche würde eine Ladung meines Ioniq reichen. Für jemanden der nicht zu Hause laden kann, wären das 30 Minuten am Schnelllader in der Woche. Oder bei Gelegenheit (Einkaufen, Parken, Essen gehen oder sogar zu Hause) einfach nachladen.
Der Ioniq ist dabei eines der Autos mit dem kleinsten Akku. Sprich viele neuere Modelle haben eine Reichweite zwischen 350 und 500 km. Also Reichweite ist das Hauptproblem der Elektroautos? Ich weiß nicht ob viele Menschen das Vorurteil teilen.

CO2 Emmissionen

Ja wo soll der ganze Strom den herkommen. Klar man holt ihn sich aus fossilen Quellen aus Frankreich und Tschechien. Ok, das wußte ich jetzt nicht. Ich dachte eigentlich Deutschland selbst hat die meisten Kohlekraftwerke um Strom zu erzeugen. Frankreich und Tschechien sind mir eher bekannt als Betreiber von Atomkraftwerken. Na gut, da kann der Herr Barth schon mal was durcheinanderbringen. So lange er es nicht öffentlich im Fernsehen verbreitet….

Als Experten, um die These des hohen CO2-Ausstosses zu untermauern, hat er sich Herrn Dieter Teufel als Leiter des UPI Heidelberg vor die Kamera geholt. Herr Teufel ist seit Jahren bekannt als bekennender Kritiker der Elektroautos. Naja hat der Herr Barth halt Pech gehabt bei der Auswahl des Experten, dass er keinen neutralen Berichterstatter gefunden hat.
Herr Teufel gab an, dass ein Elektroauto bei der Herstellung des Autos an sich und des Akkus bereits zweimal soviel CO2 freisetzt als ein normaler PKW. Was ist denn ein normaler PKW? Ein Porsche 911 wie ihn der Herr Barth fährt oder ein Fiat 500 Dreizylinder?
Das die Akku-Herstellung CO2 freisetzt ist bekannt. Auf meiner Startseite hab ich die CO2 Belastung der Akku-Herstellung mit einem durchschnittlichen Verbrenner verglichen. Die Herstellung des PKWs kann man da unberücksichtigt lassen, vielmehr würde der Verbrenner bei der Berücksichtigung deutlich schlechter Abschneiden, allein durch die Vielzahl der Bauteile.

Ferner führt Herr Teufel aus, dass durch die Stromgewinnung ja viel CO2 freigesetzt wird und das wird sich auch die nächsten 10 bis 20 Jahre nicht ändern, da die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien in diesen Zeitraum nur die Lücke decken würde, die durch den Rückbau der Kernkraft entsteht. Aha.
Einen Vergleich mit dem CO2-Ausstoss durch Benzin und Diesel suchte man leider vergebens. Vermutlich im Eifer des Gefechts vergessen. Man will dem Herrn Barth ja jetzt keine einseitige Berichterstattung unterstellen.

Womit Herr Teufel allerdings recht hat, die konventionellen Autohersteller wollen nur so viele Elektroautos verkaufen, wie sie zur Erfüllung der CO2-Flottenziele benötigen. Das sehe ich ebenso.

Der Akku und die Rohstoffe

Immer wieder im Laufe der Sendung wird der Akku des Elektroautos mit einem Handyakku verglichen. Man kennt die Haltbarkeit ja vom Handy. Ja, ne, is klar. Det wees man doch, ne.

Der Akku im Elektroauto wird über ein Batteriemanagementsystem ständig überwacht und im Wohlfühlbereich gehalten. Gekühlt, geheizt, Ladeleistung geregelt. Alles was ein Handy eben nicht macht. Aber offensichtlich sind ja alle Bemühungen des BMS vergebens, wenn die Haltbarkeit dadurch nicht zunimmt.
Die meisten Hersteller geben eine Garantie auf den Akku von 8 Jahren bis 200.000 km. Beim Handy hab ich 2 Jahre Garantie, aber nicht auf den Akku. Komisch dieser Unterschied.
Es gibt bereits einige Erfahrungsberichte von Haltbarkeiten der Akkus von 400.000 bis 600.000 km und mehr.
Tesla hat jetzt einen Akku entwickelt der auf 1,6 Millionen Kilometer ausgelegt ist. Ob er das erreicht wird man allerdings erst in einigen Jahren erfahren.

Die Rohstoffe die man zur Herstellung braucht gehören alle den Chinesen, sagt der Herr Barth. Und jetzt muss der deutsche Automobilhersteller seine Akkus in China kaufen. Ja das stimmt zum Teil. China hat sich viele Rechte an Rohstoffen gesichert. Weil sie vermutlich etwas mehr Weitblick hatten.

Kobalt

Kobalt wird ja im Kongo überwiegend abgebaut. Herr Barth weiß, das man dort im Kongo kleine Schächte gräbt, in denen die Kinder dann den Kobalt abbauen müssen, weil Erwachsene da gar nicht rein passen. Dort verätzen sich die Kinder die Hände.
Der Spiegel hat dazu erst gestern einen interessanten Bericht unter reißerischer Überschrift veröffentlicht. Wenn der Herr Barth mal Zeit hat, kann er das ja mal lesen.

Nicht das ich jetzt sagen würde das wäre nicht gut recherchiert von RTL. Aber es ist halt einfach Mist.

Wird sich das Elektroauto durchsetzen?

Dazu hat der Herr Barth den Geschäftsführer des Autohauses König in Berlin befragt. Der war der Meinung, dass das Elektroauto nicht sinnvoll ist. Ja komisch das der Geschäftsführer eines Autohauses dieser Meinung ist. Ein Elektroauto braucht nicht wirklich einen Kundendienst, es hat kaum Reparaturen, eigentlich braucht es nicht mal ein Autohaus zum Verkauf. Das ist beim Verbrenner ein bisschen anders. Kann es sein das der Herr König nicht so ganz neutral war? Sicher nicht…

Für Herrn König ist die Lösung Hybrid. Er kann das auch gut begründen. Das wichtigste beim Antrieb ist Effizienz. Und was hat eine höhere Effizienz als die Antriebsenergie beim Verzögern in Strom umzuwandeln. Genau das macht ein Hybrid. Stimmt, aber ein Elektroauto macht das auch. Noch dazu hat das Elektroauto den erheblich effizienteren Antrieb. Also gibt es nur wenig Einsatzzwecke in denen ein Hybrid Vorteile bietet. Aber vor allen Dingen bietet er Vorteile für die Werkstätten, denn er hat zwei Antriebe an Bord. Und der Verbrenner braucht auf jeden Fall eine regelmäßige Wartung, das bringt Geld in die Kasse des Autohauses.

Die Ladeinfrastruktur

Da unterhält sich der Herr Barth mit einem wahren Fachmann auf diesem Gebiet. Achim Matthias Teichert vom Unternehmen #Fortschritt.
Flux gegoogelt, das Unternehmen #Fortschritt ist ein sogenannter ThinkTank. Als Qualifikation bei Herrn Teichert hab ich rausgelesen, dass er VWL, Politik und Verwaltungswissenschaften studiert hat. Alles klassische Fächer die mit Ladeinfrastruktur zu tun haben.
Und so verwundert es auch nicht das Herr Teichert davon ausgeht, das jeder Parkplatz in Berlin mit einer Lademöglichkeit versehen werden müsste. Die Kosten und technisch ist das ja alles gar nicht möglich.
Der Herr Barth warf dann auch noch ein, dass es ja sowieso unsexy sei, jedes mal 3 Stunden an einer Ladesäule zu waaaarten. Genau, gab ihm der Experte recht.
Das Problem sei zusätzlich das alle Abends wenn sie heimkommen Laden wollen, das geht ja gar nicht.

Im ländlichen oder suburbanen Raum ist das Elektroauto nicht die Lösung. Hybrid sei da angesagt. So das fachkundige Urteil des Herrn Teichert.

Ich will diese Argumentation jetzt noch nicht mal mehr kommentieren. Die Lächerlichkeit des ganzen Berichts lässt nur das Urteil zu, dass es sich um Satire oder Komik handeln sollte und selbst das ist mißglückt. Falls das aber Alles ernst gemeint war, dann Gute Nacht Mario Barth. Und dann deck dich zu, bis über beide Ohren und schäm dich für soviel Blödsinn.

Mario Barth deckt auf, von wegen!