Frucht der Ölpalme

In den sozialen Medien kann man immer wieder lesen, die Alternative CARE Diesel sei eine gute Möglichkeit für die Zukunft des Individualverkehrs. Was steckt hinter diesem Wundertreibstoff? Lohnt es sich über den Einsatz in großem Stil nachzudenken? Und was ist CARE Diesel überhaupt?

C.A.R.E Diesel

Unter dem Handelsnamen C.A.R.E Diesel bzw. NEXTBTL oder Renewable Diesel wird hydriertes Pflanzenöl (HVO) vertrieben. Hergestellt wird es von der Firma Neste in Finnland. Bosch hat, entgegen den verbreiteten Facebook Posts mit der Herstellung nichts zu tun. In Deutschland wird das Produkt in reiner Form von der Firma Tool Fuel für Gewerbekunden vertrieben. HVO gibt es bereits seit mehr als 10 Jahren, es hat sich bisher aber nur als Beimischung zum konventionellen Diesel durchgesetzt. Ähnlich wie Biodiesel wird es fossilem Diesel beigemischt. Vor allem in sogenannten Premium Dieseln.

Um weiterhin die EN590 (die Dieselnorm) zu erfüllen darf es im Sommer bis zu 33 Prozent beigemischt werden, im Winter sind es bis zu 66 Prozent. In diesen Mengen kommt es aber tatsächlich nicht vor, da der Preis viel zu hoch ist.

Hohe CO2 Einsparung gegenüber fossilem Diesel

Bei der Verbrennung von HVO entsteht die selbe Menge an CO2 wie beim konventionellen Diesel. Es handelt sich ja ebenfalls um Kohlenwasserstoffe. Bei einer Herstellung des HVO aus landwirtschaftlichen Produkten muss man die CO2 Belastung der ganzen Vorkette dem Produkt zuschlagen (Anbau, Transport, Dünger usw.). Wird das HVO aus Abfallstoffen (v.a. Frittenfett) hergestellt sieht die Bilanz deutlich günstiger aus. Allerdings reicht die Menge an verfügbaren Abfallstoffen bei weitem nicht aus um auch nur annähernd den Bedarf zu decken.
Der überwiegende Grundstoff für die Herstellung von HVO ist Palmöl. Im Jahr 2018 war Palmöl zu 93 Prozent der Grundstoff für das hergestellte HVO.

Eine Einsparung an CO2 bei Verwendung von HVO könnte lediglich angenommen werden, wenn ausschließlich Abfallstoffe zur Herstellung verwendet würden.
Devise: Esst mehr Fritten!

Woher kommt das Palmöl

80 bis 90 Prozent des weltweit verwendeten Palmöls stammt aus Indonesien und Malaysia. Die Ölpalmen werden dort überwiegend auf gerodeten Regenwaldflächen angebaut. Dies ist aus Umweltsicht höchst bedenklich. Der Wasserverbrauch zur Herstellung von Palmöl ist enorm. Für die Herstellung von einem Liter des Biosprits aus Palmöl werden 3.500 Liter Wasser verbraucht. Wasserverbrauch ist ja immer wieder einer der Hauptkritikpunkte bei der Lithiumherstellung.

Der Einsatz von Palmöl als Treibstoff ist vermutlich sogar schlechter als der Einsatz von fossilem Diesel. Ob das Palmöl, wie angegeben aus zertifiziertem Anbau stammt ist höchst umstritten. 
Palmöl wird auch im Lebensmittel Bereich eingesetzt. Ob wir es uns leisten können und sollten Palmöl als Treibstoff zu nutzen ist fraglich. Die EU will die Nutzung bis zum Jahr 2030 jedenfalls einstellen.

HVO wird angeblich nicht als Treibstoff zugelassen

Wie oben bereits erwähnt kann HVO in hohem Masse (deutlich mehr als die erlaubten 7 Prozent Biodiesel) fossilem Diesel beigemischt werden. In Premium Diesel Kraftstoffen passiert dies auch. Aber warum wird dieses HVO dann nicht in Reinform in Verkehr gebracht?

HVO ist teuer, erheblich teurer als fossiler Diesel. Zur Zeit liegt der Preis im Einkauf bei der Firma Tool-Fuel bei etwa 2,80 Euro für den Liter. Es ist der mit Abstand teuerste Biokraftstoff. Erheblich teurer als Biodiesel und Bioethanol.

Beim Einsatz von HVO in Reinform müssten zusätzlich von sämtlichen Automobilherstellern Freigaben für ihre Motoren erteilt werden. Es ist fraglich ob diese, bei einer eher geringen Marktrelevanz, erteilt werden. Eine Beimischung ist bereits jetzt problemlos möglich und erfordert keine gesonderte Freigabe. Eine Zulassung für HVO in Reinform erscheint somit gar nicht erwünscht. Wer würde es denn bei einer Verdopplung der Kosten tatsächlich tanken?

Biodiesel, Bioethanol und auch HVO werden dem fossilen Diesel als Biokraftstoff beigemischt. Eine Betankung in Reinform, auch als CARE Diesel, ist nicht sinnvoll.

Entsprechende Mengen an Biokraftstoffen können auch nicht umweltverträglich und aus ethischen Gesichtspunkten (Teller-Tank) erzeugt werden.

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