Elektroauto Akku im Second Life

Irgendwann im langen Leben eines Akkus im Elektroauto kommt der Punkt, an dem er nicht mehr optimal als Fahrakku geeignet ist. Dieser Punkt ist aber oftmals deutlich später erreicht als Kritiker gerne behaupten. Aktuelle heisst es oft nach 8 Jahren ist so ein Akku Schrott, da sich bei den Kritikern herumgesprochen hat, dass die meisten Hersteller 8 Jahre Garantie auf den Akku geben.
Der Vorwurf lautet dann meistens, man kann den Akku nicht entsorgen und er ist Sondermüll. Muss er denn tatsächlich nach seinem Einsatz im Elektroauto entsorgt werden? Oder gibt es schon Lösungen, ihm ein zweites Leben einzuhauchen?

Bereits durchgeführte Projekte

Ich will hier einige bereits bestehende Möglichkeiten für den Elektroauto Akku im Second Life geben. Es sind einige konkrete Beispiele, jedoch keine vollumfängliche Auflistung. Sie zeigen aber schon deutlich, wo die Reise hingeht.

BMW

BMW hat an seinem Standort Leipzig, eine sogenannte Speicherfarm in Betrieb, in der bis zu 700 ausrangierte Batterien aus dem BMW i3 vernetzt werden können. Mit der Leistung aus dieser Speicherfarm könnten bis zu 50.000 Haushalte einen Monat lang mit Strom versorgt werden. Eingesetzt wird der Batteriespeicher zum einen, um Überschussstrom aus den 4 werkseigenen Windkraftanlagen zwischenzuspeichern. Andererseits ist die Speicherfarm an das öffentliche Stromnetz angeschlossen und kann so zur Aufnahme von Strom in Überschusszeiten und Abgabe zu Spitzenlastzeiten gewinnbringend eingesetzt werden.
Die Speicherfarm ist frei skalierbar, sprich, mit diesem Konzept können praktisch unbegrenzt ausrangierte Fahrakkus eingesetzt werden, um die Energiewende zu vereinfachen. Ein Bedarf für solche Akkus ist in jedem Fall beinahe unbegrenzt vorhanden.

In der Hamburger HafenCity hat man bereits 2013 damit begonnen Second Life Batterien einzusetzen. Damit puffert man zum einen Strom in Schnellladesäulen, nutzt diese aber auch zur Regelenergie für regenerativen Strom.

Ein weiteres Einsatzgebiet ist als Pufferspeicher für die PV-Anlage auf dem Dach des Vattenfall Bürogebäudes um überschüssigen Solarstrom zu speichern.

Ebenfalls gibt es in der HafenCity einen 2 MW Energiespeicher für den Primärregelenergiemarkt.

Audi

In Berlin hat Audi aus ausgemusterten Akkus, auf dem EUREF Campus, einen Speicher mit einer Kapazität von 1,9 MWh errichtet. Auch dieser Speicher dient dem Regelbetrieb im öffentlichen Stromnetz. Zusätzlich wird damit eine Schnellladesäule mit gespeicherten Überschussstrom, mit bis zu 175 kW, versorgt.

Im Stammwerk Ingolstadt werden Flurförderfahrzeuge mit gebrauchten Lithium Ionen Akkus ausgestattet. Man kann sich dadurch das zeitaufwändige Wechseln der bisher verwendeten Bleiakkus sparen. Die Lithium Ionen Akkus werden in Arbeitspausen nachgeladen. Benutzt werden dazu Batterien aus Testfahrzeugen und Plugin Hybriden.

Zusätzlich arbeitet man bei Audi an einem geschlossenen Recycling Kreislauf für ausgediente Batterien um damit Rohstoffe immer wieder verwenden zu können.

Auf dem Gelände des enBW Heizkraftwerks Heilbronn soll in einer Kooperation von Audi und enBW ein großer Stationärspeicher entstehen. Das Pilotprojekt dient dazu, Lösungen zu entwickeln um diese zukünftig an Stadtwerke und Industriebetriebe zu vertreiben.

VW

VW bietet mit dem Einsatz nicht mehr zum Fahrbetrieb tauglichen Akkus mobile Schnellladesäulen an. Diese seien vor allem dafür gedacht, bei Events und Großveranstaltungen eine ausreichende Ladeinfrastruktur zur Verfügung zu stellen. Dieses wären relativ einfach und zeitnah austauschbar und können in sogenannten Service Parks wieder schnell nachgeladen werden. Sollte an einem geplanten Standort einer Schnellladesäule ein Stromanschluss mit hoher Kapazität fehlen, könnte man die Akkus langsam laden. Diese wären dann in der Lage Fahrzeuge mit bis zu 150 kW zu laden, auch ohne Stromanschluss mit hoher Leistung. EON hat bereits zugesagt, solche Säulen an Autobahn Raststätten zu errichten.

Nissan

Nissan war mit dem Leaf lange Jahre der Marktführer bei Elektroautos. Entsprechend gibt es dort auch bereits eine größere Anzahl an gebrauchten Batterien als bei anderen Herstellern. Man hat ein Energiekonzept für das Amsterdamer Fußball Stadion entwickelt. Teil davon ist, neben einer PV-Anlage, ein 3 MW Energiespeicher aus gebrauchten und neuen Elektroautobatterien u.a. aus dem Leaf. Um das Stadion komplett mit gebrauchten Batterien zu versorgen reichen die vorhandenen gebrauchten Batterien noch nicht aus. Sie halten einfach länger als ursprünglich angenommen.
Die Batterien versorgen dabei nicht nur das Stadion selbst, sondern auch umliegende Bebauung.

Tesla

Tesla hält eine Verwendung von Akkus im Second Life für weniger sinnvoll. Man setzt vielmehr auf eine firmeneigene Recyclingstrategie. Man will möglichst vollständig die wertvollen Rohstoffe aus den ausrangierten Akkus und aus Produktionsausschüssen wiedergewinnen. Bisher hat man dies noch an Fremdanbieter vergeben.

Das Problem

Bisher gibt es schlicht und einfach noch viel zu wenige Batterien aus Elektroautos die entweder einem Second Life zugeführt werden könnten, noch dem Recycling zugeführt werden müssen. Somit beschränken sich viele dieser bisherigen Projekte noch auf den Pilotstatus.
Wenn es dann aber nicht mehr brauchbare Fahrakkus in größerer Zahl geben sollte hat man mehr als genug Einsatzgebiet um diese sinnvoll weiter zu verwenden.

Das immer wieder abgegebene Urteil, Second Life gibt es nicht, stimmt so nicht. Die Hersteller sind verpflichtet ihre Akkus wieder zurückzunehmen und haben mehrere Modelle entwickelt um auch mit Second Life Akkus ein Geschäftsfeld zu erschließen.

Recycling in größerem Stil liegt in noch weiterer Ferne, aber auch da gibt es bereits praktikable Lösungen für den industriellen Einsatz.

Zum Thema ist die Erdölgewinnung vielleicht trotzdem sauberer als ein Elektroauto Akku?

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