Das Eichrecht mischt auch bei Stromverkaufsautomaten mit. So wird eine Ladesäule im Gesetz zum Eichrecht bezeichnet. Das sagt eigentlich auch schon einiges über die deutsche Gesetzgebung aus.

Problematik

Das Eichrecht verlangt eine geeichte Messbarkeit der verkauften Strommenge. Diese muss für den Nutzer auch nachträglich prüfbar sein. Die größten Probleme macht diese nachträgliche Prüfbarkeit der Daten.
Im Eichrecht gilt jede Ladesäule als Messgerät, eben analog zur Zapfsäule von Kraftstoff. Das ist ja erstmal auch gar nicht verwerflich sondern eher zu begrüßen.

Für verkauften Strom an einer Wechselstromladesäule (AC) ist zumindest die geeichte Erfassung der Strommengen weniger problematisch. Lösungen hierfür gibt es bereits.
Bei Gleichstromladesäulen (Schnellader  DC) hingegen wird es da schon schwieriger. Inzwischen gibt es zumindest zwei Module die die Zulassungshürde bei der Physikalischen Technischen Bundesanstalt geschafft haben.

Einfache aber nicht sehr intelligente Lösung

Der Ladesäulenbetreiber rechnet nicht mit Strommengen oder  nach Zeit ab. Eichrechtlich erlaubt ist auch eine Abrechnung nach Pauschale. Das wird derzeit teilweise genutzt und führt zu grotesken Entwicklungen. Ganz aktuell hat z.B. die Telekom bekannt gegeben an ihren Verteilerkästen per Pauschale abzurechnen.
Egal wie viel man Strom lädt, es kostet immer das gleiche. Eine Tankstelle sollte einmal auf diese Geschäftsidee kommen. Shitstorm vorprogrammiert. Meist ist diese Pauschale dann auch in einer Höhe die nur noch Kopfschütteln verursacht, aber mich sicher nicht dazu bewegt gerade dort zu laden.

Immer vorausgesetzt man weiß auch gerade was man an der entsprechenden Ladesäule zahlt.

Eine Preisangabe findet man bestenfalls in der Handy App. Falls Netz verfügbar….

Zeitbasierte Abrechnung

Auch die zur Abrechnung gebrauchte Zeit ist über geeichte Messeinheiten festzustellen.
Einfacher umzusetzen als die kWh Abrechnung, vor allem an DC Säulen. Gleichwohl aber auch ein ungerechtes System. Die Ladeleistung der einzelnen Fahrzeuge ist zu unterschiedlich und im Laufe des Ladevorgangs auch wechselnd. Als Übergangslösung sicher aber allemal praktikabler als Pauschaltarife.
Zumindest kann man mit dieser Abrechnung Dauerparker an den Ladesäulen vermeiden.

Transparente Abrechnung ist Pflicht

Vermutlich funktioniert es nur über die Gesetzgebung die Ladesäulenbetreiber zu einer transparenten Abrechnungsmethode zu zwingen. Die Flucht in die pauschale Abrechnung ist ein Holzweg.
Es sollte eine klare Anzeige vom zu zahlenden Preis geben, ähnlich wie es eben auch an den Tankstellen der Fall ist. Ebenso will ich auch nach dem Laden wissen was mich das kostet. Nicht erst am Monatsende oder noch später.

Ladesäulen gibt es. Rein von der Anzahl auch genug. Ein wenig ungerecht verteilt vielleicht. Aber die Anzahl ist auch gar nicht das Problem. Die Ladeinfrastruktur wächst langsam aber stetig.

Es fehlt ein Konzept und der Wille eine kundenfreundliche Infrastruktur aufzubauen.

Ärgernisse

  • Ladekartenflut
  • Tarifdschungel
  • lang anhaltende Defekte
  • unterschiedlichste Abrechnungsmodelle
  • unattraktive Standorte

1 Million Elektroautos bis 2020

Die deutsche  Regierung hatte, und soweit ich weiß hat sie es immer noch, das Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020. Wenn es nicht so traurig wäre, eine absolute Lachnummer. Eine Absichtserklärung ohne Konzept, ohne Ideen und vor allem ohne den Willen das auch umzusetzen. Ein Lippenbekenntnis, wie so oft in letzter Zeit.

So etwas ärgert mich maßlos. Die Wahrheit ist, die Regierung tut unserer Autoindustrie nicht weh. Blockiert den Umstieg zur Elektromobilität wo immer sich die Möglichkeit dafür bietet, getrieben von den Auto Lobbyisten. Die Hersteller selbst wollen auf diesen (Elektro-) Zug am aller wenigsten aufspringen. Na gut, seit Jahren wird ein wahres Modellfeuerwerk an Elektroautos von den deutschen Herstellern angekündigt. Nur die Jahreszahlen verschieben sich immer weiter nach hinten. Siehe auch

Deutschland wird gerade von einer zukunftsträchtigen Entwicklung abgekoppelt.

Gut man sollte nicht ausschließlich auf die deutschen Hersteller einprügeln, auch alle anderen bekleckern sich nicht mit Ruhm. Aber ich schweife ab.

Die Deutsche Telekom bietet Lösung, oder eher nicht?

Vielleicht wird ja auch die Deutsche Telekom der Heilsbringer was Ladesäulen angeht. In Bonn und Darmstadt wurden jetzt erste öffentliche Ladesäulen in Betrieb genommen. Und zwar an vorhandenen Verteilerkästen der Deutschen Telekom. Je Verteilerkasten ist die Planung mit 2 Typ-2 Ladesteckern mit jeweils 11 kW. Naja, besser als gar keine Lademöglichkeit. Mein geplanter Hyundai Ioniq lädt an diesem Stecker dann einige Stunden um fit für die Weiterfahrt zu sein. Aber das Problem sollte man nicht der Telekom anlasten.  Der Preis für eine Ladung, egal wie viel, 7,89 Euro. Und juhu, da ist sie wieder die kundenfreundliche Lösung. Wer denkt sich sowas aus.
Glück, wenn man zuhause laden kann. So wie bei mir, die kwh für etwa 28 Cent. Ebenfalls Ökostrom, so wie bei der  Deutsche Telekom auch.
Eine Heimladung, sollte ich völlig leergefahren sein, kostet mich so maximal 7,84 Euro. Na ist doch fast das gleiche. Nur werde ich seltenst mit einem völlig leeren Fahrzeug an eine öffentliche Ladesäule gehen und dort den Wagen komplett vollknallen. Der Punkt ist einfach der, welcher Fahrer eines Verbrenners würde an der Tankstelle einen Pauschalpreis akzeptieren, egal wieviel er tankt.

Ach ja, bezüglich der eher bescheidenen Ladeleistung hat die Telekom noch ein Ass im Ärmel. Man will in nächster Zeit ein Netz mit Schnelladesäulen aufbauen. Geplant sind langfristig wohl 500. Preis pro Ladevorgang, knapp 15 Euro…pauschal.

Super Geschäftsidee, wird der Hit!

Dazu passt auch der folgende verlinkte Bericht:

https://ecomento.de/2018/11/06/verbraucherzentralen-vzbv-chaos-an-elektroauto-ladesaeulen-beenden/