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Eigentlich ein ganz klassischer Fall für einen Destination Charger, das Hotel. Aber so wirklich weit verbreitet sind diese Möglichkeiten nicht. Warum eigentlich nicht? Strom befindet sich ja bereits da. Wenn ein Stellplatz mit angeboten wird, wäre der Aufwand auch relativ gering eine Lademöglichkeit zur Verfügung zu stellen. Für viele reicht ja sogar eine Steckdose, damit das Auto am nächsten Tag wieder fit für die Weiterreise ist. Aber oft scheitert es sogar an der Steckdose. Und am Geld….

Das Problem Abrechnung

Scheinbar bereitet die zur Verfügung Stellung von Lademöglichkeiten schon Schwierigkeiten wenn es um die spätere Abrechnung geht. Eine Abrechnung nach Verbrauch erscheint vielen Hotelbetreibern zu umständlich. Das mag, etwa bei der Möglichkeit über herkömmliche Steckdosen zu Laden, ein Argument sein. Bei einer installierten Wallbox dürfte es weit weniger kompliziert sein. Da gibt es ja zahlreiche Möglichkeiten den Verbrauch darzustellen. Favorisiert wird aber aus Vereinfachungsgründen offensichtlich ein Modell über eine Pauschale. Pauschalen sind jedoch nie eine faire Lösung. Und eine faire Behandlung erwarte ich mir schon, wenn ich mich entscheide mein Geld für die Übernachtung einem bestimmten Hotel zu überlassen.

Warum entscheide ich mich als Hotelbetreiber dafür, eine Lademöglichkeit anzubieten? Wenn der Hintergedanke eine Art Werbung für das eigene Haus sein soll, dann ist ganz klar die kostenfreie Ladung die beste Alternative. Man kann das ganze ja sogar auf eine einmalige Ladung beschränken. In der Mischkalkulation, kleiner Akku – großer Akku wird man für die Ladung nicht über 10 Euro kommen. Wenn man eine Ladekarte oder Schlüssel oder was auch immer überreicht, kann man ja freundlich auf das Sparschweinchen hinweisen, wo der geneigte Kunde sich erkenntlich zeigen kann, wenn er denn will. Vielleicht bündel ich das ganze mit einem zusätzlichen Werbeeffekt und Spende die Hälfte der gezahlten Trinkgelder für eine Umweltmaßnahme. Nur mal so ins Blaue gedacht. Ich denke das über diese Schiene deutlich mehr positives Feedback der Gäste zurückkommt, als wenn ich für die Lademöglichkeit pauschal 10 Euro verlange.

Hotel ist nicht gleich Hotel

Eine Rolle spielen natürlich die unterschiedlichen Hotelkategorien. Da kann es dann durchaus nochmal Abstriche geben. Bei einem Budget Hotel bin ich eher bereit einen Aufpreis zu zahlen als bei einem 5 Sterne Hotel, da gehört sowas für mich zum Service, aber davon weiter unten mehr.
Grundsätzlich hat keiner den Anspruch auf eine kostenlose Ladung. Das denke ich ist auch den meisten Gästen klar. Es ist nur die Frage, was erreiche ich mit einer Abrechnung. Wie verkaufe ich diese, auch an die Gäste die einen Verbrenner fahren, um keinen Unmut zu produzieren. Aber die Hotelbetreiber sind ja grundsätzlich findig bei werbewirksamen Konzepten.

Die Wellness-Ladung

Eine eigene Erfahrung ist der Grund, warum ich dieses Thema überhaupt aufgreife. Ein Wellness-Aufenthalt in einem schönen 4 Sterne Superior Hotel im bayrischen Wald. Schön in der Natur gelegen. Viele Hochglanzprospekte. Schönes Wellnessangebot, tolles Essen, Spitzen Suiten. Das zu einem selbstbewussten Preis.

Die Internetseite verspricht neben vielfältigen Annehmlichkeiten die Möglichkeit das Elektroauto aufladen zu können. Der Hinweis aber relativ versteckt, also nicht gerade werbewirksam eingesetzt, erzeugte vorab schon eine gewisse Skepsis. Als Fahrer eines Elektroautos hat man ja immer einen Plan B. Also vorab die Möglichkeiten der Schnelllader im Umkreis gecheckt, nächste Möglichkeit etwa 30 Kilometer entfernt. Würde reichen auf der Rückreise dort zu stoppen. Was natürlich schade wäre, da im Hotel das Auto 3 Tage nur in der Tiefgarage steht und da wäre genügend Zeit zum Laden.

Das Einchecken im Hotel war freundlich und zuvorkommend, das Parken in der hoteleigenen Tiefgarage kostenlos. Die Frage nach einer Lademöglichkeit für mein Elektroauto wurde mit einer gewissen Unsicherheit beantwortet. In der Ebene 1 seien Steckdosen an der Stirnseite der Tiefgarage, dort müsste ein Laden eigentlich möglich sein.
In besagter Ebene 1 waren die Steckdosen gar nicht mal einfach zu finden. Und vor allem nur von 2 Parkplätzen überhaupt zu erreichen. Wobei ich dabei Probleme gehabt hätte, ohne Verlängerungskabel an die Steckdosen zu kommen. Zusätzlich waren diese beiden Parkplätze bereits belegt. Sie waren ja weder als Elektroauto Plätze gekennzeichnet noch überhaupt dafür vorgesehen. Wie sich später herausstellte waren die Steckdosen auch standardmäßig gar nicht mit Strom versorgt.

Also Auto erst mal geparkt, am Abend dann nochmal nachgefragt. Die Dame am Empfang war wiederum sehr freundlich, sagte mir das sie das nicht wüsste und hat daraufhin den Chef des Hauses kontaktiert. Er sagte am Telefon, er komme gleich vorbei und zeige mir die Möglichkeit. Nach 15 Minuten war er dann auch schon da, meine Partnerin schon etwas ungehalten, da wir eigentlich auf dem Weg zum abendlichen Menü waren.

Ja das mit dem Laden sei nicht so einfach, sie würden auf mehrere Wallboxen warten, die morgen installiert werden würden, sollte das aber nicht klappen, dann hätte ich die Möglichkeit an den Steckdosen auf Ebene 1 zu laden. Er sage es dem Hausmeister, wegen Verlängerungskabel.

Das große Problem sei aber, das es kein Konzept von Seiten des Verbandes gebe, wie man diese Ladungen denn nun abrechnen soll. Eine kostenlose Ladung sei eigentlich nicht erlaubt, er dürfe sowas gar nicht anbieten.

Seine bisherige Vorstellung sei in etwa so: 10 Euro für ein “normales Elektroauto” und 15 Euro für einen Tesla. Ich sagte ihm, das mein Ioniq etwa 15 kW/h Strom benötigen würde und das 10 Euro dafür schon ein Premium Preis sei. Aber eine Abrechnung nach Verbrauch sei laut dem Hotelbesitzer einfach zu kompliziert. Aber ich könne dann schon mal Anstecken. Es sei halt so, dass er mit seiner Stromversorgung eh schon an der Grenze des möglichen sei und bei zusätzlichen Elektroautos er dann gezwungen sei, eine neue Trafostation für 100.000 Euro zu errichten und das sehe er nicht ein. Absolut verständlich. Außerdem werde er nach Viertelstunden Leistungsmessung abgerechnet und da ist er ruck zuck in einem ungünstigeren Tarif mit den ganzen Elektroautos.

Zwischen den Zeilen lese ich, ich will das nicht. Ja, muss ja auch nicht. Dann schreib ich halt nichts auf meine Internetpräsenz und lasse mich, ohne Lademöglichkeit, mit den Konkurrenzbetrieben messen. Ist ja seine betriebswirtschaftliche Entscheidung.

Keine Wellness-Ladung

Der Hotelbesitzer wird den Artikel nicht lesen. So hilft es eben nicht viel hier gute Tipps zu geben. Ich habe mich mit dem Herrn schon ein wenig unterhalten und ihm meine Sichtweise erklärt und er mir seine. Es ist schon nachvollziehbar, dass der Hotelbetreiber sich gegebenenfalls den Unmut der Verbrennerfahrer zuzieht, wenn die mitbekommen, dass Elektroautos kostenlos laden können.

Also braucht er ein Abrechnungsmodell. Nur keiner weiß eben bisher wie dies praxistauglich funktionieren soll. Ich stelle hier jetzt meine Gedanken dar, die diese Ladeerfahrung bei mir bewirkt haben.

Zum einen ist es ja schon bezeichnend, wie viele Ladevorgänge bisher in dem Betrieb überhaupt angefragt wurden, wenn keiner so richtig Bescheid weiß wie es denn funktioniert. Das führt mich dann auch gleich zu den bisher entstandenen Kosten und den Problemen der Abrechnung. Wenn kaum einer lädt, dann belasse ich es doch erst mal bei einer handelsüblichen Schuko-Steckdose. Ob das Auto nun in 2 oder in 12 Stunden voll ist spielt doch, gerade bei einem Wellnesshotel, das ich ja kaum verlasse, keinerlei Rolle.

Es entstehen keine Installationskosten. Die Stromkosten für die vereinzelten Ladungen muss man nun wirklich nicht abrechnen. Zimmerpreise pro Person und Nacht knapp unter 200 Euro. Die Flasche Adelholzener zum Abendessen für 5,75 Euro. Ich denke es sollten ein paar Margen übrig bleiben um die vielleicht 100 Euro im Monat aufzufangen.

Und genau das war für mich der Punkt, der mich innerlich den Kopf schütteln ließ. Was denkt man sich, wenn man dem Gast eine 10 Euro Pauschale in Aussicht stellt. Dann bitte keine Lademöglichkeit anbieten. Bei mir wurde dadurch eine negativ Werbung in Gang gesetzt. Es zeigt, wieviel ich als Gast dem Hotelbetreiber wert bin. Kosten hin oder her. Bei einer Hotelkategorie 4 Sterne Superior mit selbstbewusster Preisgestaltung finde ich es unangebracht, sich erst mal über die Kosten Gedanken zu machen.

Hamburger Mentalität

Ein ganz anderes Beispiel zum Thema Laden im Hotel erfuhr ich kürzlich in Hamburg, im Privathotel Lindtner in Hamburg-Harburg. Auf der Zufahrt zum Hotel begüßte mich schon gleich mal ein Tesla Supercharger mit 4 Ladepunkten. Gleich nebenan erspähte ich eine Wallbox. Eine Ladung sollte also grundsätzlich möglich sein. Beim Check-in vorsichtig nach einer Lademöglichkeit für meinen Ioniq gefragt – und mir wurde prompt die Wallbox freigeschalten. Wenn ich fertig geladen hätte soll ich mich wieder melden, egal wie lange es dauert.

Am nächsten Morgen, beim Check-out dann die spannende Frage, was wird das Kosten?


“Für Gäste unseres Hauses ist das Laden bei uns selbstverständlich kostenlos”

war die erfreuliche Auskunft. Eine Super “Ladeerfahrung”. Und so steht das Hotel auch bei einem etwaigen zukünftigen Hamburg Besuch wieder oben auf der Liste.

Einen Bericht über die Fahrt nach Hamburg findet Ihr hier

Destination Charger im Hotel, da gibt es noch viel Luft nach oben