Beiträge

Wenn man in den letzten Wochen und Monaten die Medien verfolgt, könnte man den Eindruck gewinnen, dass bei der Elektromobilität das Jahr 2019 als Jahr des Aufbruchs in die Geschichtsbücher eingeht.

Im großen Stil kündigen die deutschen Hersteller neue Modelle von Elektroautos, in unvorstellbarer Vielfalt an. Zwar nicht dieses Jahr und vielleicht auch nicht unbedingt gleich nächstes Jahr, aber sie sind sich sicher, dass ein wahres Modellfeuerwerk am Start ist. Allen voran Volkswagen, die sich nun mit ganzem Eifer der Elektromobilität widmen wollen.

Ankündigungsweltmeister oder Überzeugungstäter

Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer häufiger. Klar ist, dass der Wandel zur Elektromobilität seine Zeit braucht. Aber ebenso klar ist mir, dass man von Seiten der deutschen Hersteller lange die Verbrennertechnologie verteidigt hat und das Thema batteriebetriebene Fahrzeuge als Unfug abgetan hat. Jetzt erkennt man, dass man diesen Weg mitgehen muß, ob man will oder nicht. Und das geht, meiner Meinung nach, jetzt in einem rasanten Tempo. Limitiert hauptsächlich wegen knapper Akkukapazitäten.
Noch 2017 hat der damalige VW-Manager Matthias Müller in einem vor Arroganz kaum zu überbietenden Statement über Tesla gelästert.

2019 ist man sich sicher das der Elektromobilität die Zukunft gehört.

Die ersten Auswirkungen des Wandels zeigen die jüngsten Zulassungszahlen. Noch wird das ganze auf die Probleme mit der WLTP-Zulassung geschoben. Ob das der einzige Grund ist, darf zumindest angezweifelt werden. Weltweit sank der Verkauf von VW allein im Dezember um neun Prozent.
Jeder zweite VW wird aktuell in China verkauft. China ist momentan der wichtigste Absatzmarkt und setzt verstärkt auf Elektroautos. Und China baut diese Elektroautos inzwischen selbst. Aktuell, nicht erst in zwei Jahren. Und will damit auch in Europa auf den Markt drängen. Spätestens jetzt schrillen in den Vorstandsetagen die Alarmglocken.

Befeuert wird das ganze auch noch von Tesla. Das Model 3 verkauft sich sehr gut. Ist ebenfalls aktuell schon erhältlich und nicht nur angekündigt. Zudem hat man vor kurzem Preissenkungen, vor allem bei den hochwertigen Ausstattungslinien, publiziert.

Das Thema Elektromobilität nimmt extrem Fahrt auf und es droht ein Desaster für die deutsche Automobilwirtschaft. Ein Desaster, das den ganzen Standort Deutschland treffen kann, aufgrund fataler Fehlentscheidungen im Management einzelner Firmen.

Auf Ankündigungen müssen jetzt sehr zügig Taten folgen.

Ablenkungsmanöver

Häufig hört man noch, der Staat müsse für eine ausreichende Infrastruktur sorgen, damit sich die Elektromobilität durchsetzen kann. Vorher hat es ja keinen Sinn diese Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, weil sie der Kunde nicht will.

Aber oh Wunder, der Kunde kauft jetzt schon Elektroautos, und die Zulassungszahlen nehmen zu. Zugegeben noch relativ langsam, aber ich bin mir sicher, das wird sich sehr schnell steigern. Die Nachfrage ist da.

Natürlich steht außer Frage, das sich bei der Ladeinfrastruktur noch viel bewegen muss. Eine bessere Verteilung der Schnellladesäulen. Eine Ausstattung mit mehreren Ladesäulen an einem Platz. Abrechnungstechnisch muß es Vereinfachungen geben. Aber das hätte man ja ebenfalls schon verstärkt in Angriff nehmen können. Wenn man es ernst meint.

Die deutschen Fahrzeughersteller sollten sich ein Beispiel an Tesla nehmen. Das Unternehmen hat ohne staatliche Förderung ein weltweites Netz an Superchargern installiert. Und der Aufbau dieser Ladeinfrastruktur zahlt sich jetzt aus. Das hat viel Geld gekostet, ohne Zweifel. Aber beispielsweise der VW-Konzern hat einen ganz anderen finanziellen Background als es Tesla hat. Mutige Entscheidungen sind das Stichwort.

Jetzt hat Volkswagen ein Papier veröffentlicht, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird die Förderung der Elektroauto umzustrukturieren und fordert die Regierung zu schnellem Handeln auf. Die Vorschläge zielen ganz klar auf die in Kürze erscheinenden VW-Modelle ab. Es klingt ein klein wenig nach Panik.

Vielleicht sehe ich das Thema zu kritisch. Ich hoffe ich werde eines besseren belehrt. Anstrengungen bedarf es von mehreren Seiten um den Wandel zur Elektromobilität zu schaffen.

Und den Artikel bitte nicht falsch verstehen, ich wünsche es, vor allem dem VW-Konzern, dass er die Wende schafft. Es hängt zu viel an diesem Hersteller. Too big to fail.

In Deutschland übt man sich derzeit im Spiel Schwarzer Peter.
Der wird munter zwischen der Regierung und den Autoherstellern hin und her geschoben. Jeder will die Elektromobilität voran bringen, das dauert zu lange und man schiebt die Schuld auf den jeweiligen anderen.
Zumindest gibt man aber nebenbei so halbwegs eigene Versäumnisse zu.

Positive Perspektive für das Auto fehlt

VW Chef Herbert Diess sagte der Bild am Sonntag, “Leider kann sich momentan kaum jemand in der deutschen Parteienlandschaft eine positive Perspektive für das Auto vorstellen”. In der Bundesrepublik fehle es an einer echten Agenda Auto.

Diess bemängelte weiterhin, dass es in Deutschland an der nötigen Infrastruktur für Elektroautos fehle.
Man könnte aber auch sagen, das von BMW, VW, Mercedes und Ford gerade im Aufbau befindende Ionnity Ladenetz macht zu langsame Fortschritte. Man nehme sich ein Beispiel an Tesla. Dort gibt es ein funktionierendes Super Charger Netz. Eigenfinanziert von Tesla. Ohne Schützenhilfe aus der deutschen Politik.
Man muss also nicht zwingend mit den Finger auf andere Schuldige zeigen.

Eine direkte Antwort auf den Vorwurf von Diess hat nun Bundesverkehrsminister Scheuer gegeben.

Wer die Politik auffordert eine Agenda für die Zukunft des Automobils zu entwickeln, muss erst einmal selbst zeigen was er drauf hat. Wer nur von der Herausforderungen der Zukunft redet, aber nicht die Produkte der Zukunft schnell in die Läden bringt, läuft Gefahr den Weltmeistertitel im Autobau zu verlieren. Es gehe nicht darum auf Autoshows immer wieder neue auf Hochglanz polierte Modellwagen unter dem Tuch hervorzuzaubern, sondern darum diese auch auf die Straße zu bringen.

Die Antwort von Diess lässt sicher auch nicht lange auf sich warten.

Fehlende Attraktivität deutscher Elektroautos

Wirtschaftsminister Altmaier hat vor kurzem die deutschen Hersteller gerügt, dass sie wenig attraktive Elektroautos bauen.
Mit Blick auf die amerikanische und asiatische Konkurrenz muss man ihm Recht geben.
Das Design und die Konzeption deutscher Elektroauto Modelle hat Nachholbedarf.
Ebenso Nachholbedarf bestehe beim Thema autonomes Fahren. Volkswagen Chef Diess gab an das er entschlossen ist, diesen Rückstand bei der Entwicklung aufzuholen. Er verwies jedoch darauf, dass viel von der staatlichen Regulierung abhänge.
Da ist er wieder, der schwarze Peter.

Es wird geredet und geredet. Während im Riesen Automarkt China gerade der Zug abfährt. Und ich bezweifle ob unsere deutschen Hersteller da noch aufspringen können, wenn sie nicht schnell in die Gänge kommen.

Volkswagen hat in der vergangenen Woche verkündet sich Batterien für Elektroautos in einer Größenordnung von 50 Millionen gesichert zu haben.

Nähere Details wurden erst einmal nicht genannt. Aber diese Summe lies aufhorchen. Zu einer Zeit in dem allgemein darüber diskutiert wird, das ein Mangel an Batteriefertigung herrscht.
Entweder ist es wie, man muss sagen schon üblich, eine vollmundige Ankündigung ohne entsprechenden Hintergrund, oder es ist tatsächlich ein außergewöhnlicher Deal gelungen.

Elektromobilität bei VW mit hoher Priorität

Ich bin ja kein großer Freund vom VW Konzern, auch aus eigener Erfahrung. Aber momentan geht man ziemlich offensiv mit dem Thema Elektromobilität um. Und ganz ehrlich, ich würde mir wünschen das sie es endlich auch entsprechend durchziehen.
Für die Zukunft der Elektromobilität wäre ein großes Engagement von VW sehr förderlich. Die Ladeinfrastruktur müsste einen Schub erhalten, von dem letztendlich alle profitieren.
Die Anzahl verfügbarer (praxistauglicher) Modelle würde sich steigern.
Und wenn VW die Elektroautos entsprechend bewirbt, dann kommt die Elektromobilität auch endlich bei einem großen Teil der Bevölkerung an und wird nicht nur als praxisfern gesehen.
Für die Meinungsbildung in Deutschland ist es, denke ich, wichtig das DER Autohersteller klare Kante zeigt.

Strategie oder Pfeifen im Wald

Gespannt sein darf man, ob VW es ernst meint und den Umbruch zur Elektromobilität jetzt zügig in Anspruch nimmt.
Bisher waren mir das zu viele Ankündigung bei wenig greifbaren Fakten. Viel

  • wir wollen
  • wir werden
  • geplant ist
  • es sollen

aber wenig zählbares. Gut besser spät als nie. Vielleicht wurde der Schuss in Wolfsburg jetzt doch endlich gehört.
Der Markt in China drängt die Hersteller ja in die Richtung elektrischer Antrieb.
Vielleicht haben auch die Verkaufszahlen von Tesla dazu beigetragen das man den Schritt jetzt zügig angehen will. Was mich allerdings stört ist die vollmundige Ankündigung: Wir werden günstiger sein als Tesla.
Ja, macht mal. Ein Elektroauto für unter 20.000 € ist angekündigt. Ohne Details zu nennen. Günstiger allein ist jedoch nicht allein ausschlaggebend.

Sexy Tesla

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat unter anderem auch Volkswagen dazu angehalten endlich ein Modell zu bringen das auch nur halb so sexy ist wie ein Tesla. “Was die Attraktivitiät ihrer E-Autos betrifft könnten sie tatsächlich noch einige frische Ideen einbringen”.

Ich möchte wirklich daran glauben das es ab 2021 eine größere Modellpalette von Elektroautos aus dem Hause Volkswagen geben wird. Überzeugt bin ich dennoch nicht.
Für mich klingt es zu sehr nach

Pfeifen im Wald

Zwickau solls richten

Das Volkswagenwerk Zwickau soll zum größten und auch leistungsstärksten Werk für Elektroautofertigung innerhalb des VW Konzerns ausgebaut werden.
Ab Ende 2019, also realistisch 2020, soll dort der VW I.D., ein kompakter E-Wagen, produziert werden.
Und das in Stückzahlen von 1.500 Fahrzeugen in Volllast ab 2021.
Der I.D. basiert als erstes Fahrzeug auf der MEB-Plattform welche für Elektroautos entwickelt wurde.
Auf dieser Plattform sollen mehrere Modelle entwickelt werden. Die Arbeitnehmer im Werk Zwickau sollen Zug um Zug auf die Fertigung von Elektroautos umgeschult werden, auch wenn die Automatisierung in der Produktion sich stark erhöhen wird, bestehe keine Gefahr für die Arbeitsplätze.

Momentan vergeht kaum ein Tag ohne das VW Neuigkeiten zur geplanten Umstellung der Flotte auf Elektroantrieb verlauten lässt. Dieser massive Strategiewechsel verwundert mich gerade etwas. Vielleicht hat man uns vorher nur einfach nicht an den Planungen teilhaben lassen?
Oder man will vom leidigen Dieselthema ablenken.

Update 13.12.2018

VW Betriebsratschef Bernd Osterloh hat die Aussagen von VW etwas relativiert. Nachdem ja ursprünglich davon die Rede war, das letzte Verbrennermodell 2026 zu präsentieren, hört sich das jetzt ein wenig anders an.
Es gäbe noch kein festes Ausstiegsdatum. Das hinge auch davon ab wie die Elektroautos von den Kunden angenommen werden. Zudem müsse die Ladeinfrastruktur endlich die nötigen Formen annehmen. Dies sei eine politische Aufgabe. Ähm wie genau hat das eigentlich Tesla mit seinen Superchargern hinbekommen…
Ob das Ende der Verbrenner, ein Schlüsselbereich der deutschen Hersteller, 2026, 2030 oder 2035 komme müsse sich erst noch zeigen. Zudem arbeite man an synthetischen Treibstoffen. Dies könne dem Verbrenner noch ein viel längeres Leben bescheren