In den sozialen Medien nimmt das Elektroauto Bashing immer mehr zu. Die Gründe dafür sind verschieden, zum Teil vielleicht noch nachvollziehbar. Aber oftmals ist es wirklich nur ein Gemotze, ohne jeglichen Hintergrund. Warum ist das so? Warum wird dermaßen vehement gegen die Elektromobilität geschimpft?

Des deutschen liebstes Kind –
das Auto

Das Auto. Statussymbol und Spielzeug. Manchmal einfach auch nur Fortbewegungsmittel. Das Thema Auto ist auf jeden Fall sehr emotional besetzt. Jahrzehntelang war alles gut. Immer größer, immer mehr PS bzw. kW und immer mehr SUV. SUV, ist das was der Kunde will, laut unseren Automobilherstellern.
Und jetzt kommen da also diese Elektroautos und machen die althergebrachten Verbrenner madig.
So geht das aber nicht. Oft gewinnt man den Eindruck als ob man jemanden dadurch sein Spielzeug kaputt machen würde. Keiner will jedoch irgendjemanden sein Auto wegnehmen. Soll und kann jeder fahren, was er will und was er für richtig hält. Aber Nachdenken darf man trotzdem.

Elektroautos sind Schrott

Oft werden einfach nur aufgeschnappte Argumente wiederholt. Lithium, Kobalt, Akku und CO2, viel zu teuer und dann noch die Reichweite. Dann kommen bei manchen noch die Einschränkungen wenn erst mal dies und jenes erfüllt sei, ja dann kann man über einen Wechsel zum E-Auto nachdenken. Und außerdem ist doch der Wasserstoff die Zukunft. Nichts als Ausflüchte. Man will das „Neue“ gar nicht, man kennt es nicht, man will sich nicht damit befassen. Vielleicht hat man sogar ein bisschen Angst davor, den Schritt zur Elektromobilität zu gehen. Gerade auch deshalb schreibe ich aber in diesem Blog. Informiert euch. Denkt nach. Und trefft eine Entscheidung die ihr für richtig haltet. Aber lasst euch nicht durch Stimmungsmache der Verbrenner Lobby beeinflussen.

Es gibt viele Kräfte die daran interessiert sind die Verbrenner noch möglichst lange auf den Markt zu werfen. Und diese Kräfte haben zum Teil einen großen finanziellen Background und kämpfen mit Fehlinformationen. Zuletzt mit einer Studie von Lungenfachärzten, deren Engagement zumindest fragwürdig erscheint.
Und manchmal gewinnt man den Eindruck, dass auf Facebook bezahlte Kritiker unterwegs sind.

Ihr wollt den Diesel kaputt machen

Und daran ist das Elektroauto schuld. Endlich hat man einen Sündenbock gefunden. Die Politik will auf Biegen und Brechen versuchen das Elektroauto auf den Markt zu drücken. Deshalb gibt es jetzt Dieselfahrverbote.

Nein! Die gibt es weil die Verbrennerhersteller geschummelt haben. Und weiter schummeln. Ob Fahrverbote allerdings der richtige Weg sind, ist doch sehr zweifelhaft.
Elektroautos setzen sich nicht wegen dieser Politik durch.
Es überlegen sich momentan immer mehr Leute, wie auch ich, den Umstieg zum E-Auto. Viele informieren sich, fahren Probe und wägen ab. Treffen eine Entscheidung, meist unabhängig von Fahrverboten.


Der Anfang meiner Überlegung war mein Seat Exeo. Mit betroffenem Schummel-Dieselmotor. Als ich den dann verkaufen wollte, war der Preis ins Bodenlose gesunken. Selbst die Händler aus dem VAG Verbund wollten das Auto nur mit großen Abschlag in Zahlung nehmen. Andere Händler wollten ihn gar nicht.
Der Gipfel war dann die Aussage eines VAG Händlers, der mir sagte, er kann mir nur einen Betrag X geben. Deutlich unter Marktwert. Und kaufen wird er ihn nur, weil er beim Weiterverkauf vom VAG-Konzern eine Förderung bekommt. Der Händler schon, ich bekam vom Konzern nix.

Ob die ganze Dieselproblematik aktuell wirklich so hoch gekocht werden muss, wage ich zu bezweifeln. Fahrverbote überall. Ja, man gewinnt den Eindruck man will den Diesel kaputt machen. Warum?
Weil man Diesel und Benziner der Neuen super sauberen Generation verkaufen will. Nochmal ein Aufbäumen um neue Verbrenner unters Volk zu bringen. Hinhaltetaktik, so sehe ich das.

Die Glaskugel

Wo die Reise hingehen wird weiß ich nicht und weiß wohl keiner. Ich geb hier jetzt einfach meine Meinung wieder. In einigen Jahren wird man sehen wieviel davon eingetroffen ist.

Der Wandel zum Elektroauto ist unumkehrbar. Und die Geschwindigkeit des Umstiegs wird sich stark erhöhen. Spätestens wenn die deutschen Hersteller dann in zwei oder drei Jahren Elektroautos in Stückzahlen auf den Markt werfen. Dann wird man auch anfangen, diese massiv und aggressiv unters Volk zu bringen.

Der Diesel wird weiter an Bedeutung verlieren. Man wird versuchen möglichst viele Benziner zu verkaufen. In fünf oder sechs oder X Jahren wird man dann feststellen das wir mit unserer versprochenen CO2 Senkung nicht hinkommen. Ja, weil der böse Benziner soviel CO2 ausstösst. Dann wird man vielleicht in zehn Jahren anfangen die Benziner zu verteufeln. Und falls es bis dahin schon genügend deutsche Elektroautos gibt, ja spätestens dann wird man diese dann empfehlen.

Auch ich sehe die Gefahr, dass die Elektroautos dann in irgendeiner Weise am Bundeshaushalt beteiligt werden. Über eine irgendwie geartete Steuerbelastung, der Gesetzgeber ist da kreativ. So wie es aktuell ist, mit kostenlosem Strom und Steuerfreiheit, so wird es nicht auf Dauer bleiben könne. Aber ich nehme diese Zeit gern mit, wer nicht?
Zumal die meisten kostenlosen Ladesäulen von Gewerbebetrieben betrieben werden und nicht vom Steuerzahler finanziert werden.

Was will die Politik

Ich fürchte, nach dem ganzen „Rumgeiere“ in letzter Zeit, dass weiß die Politik selber nicht. Erst heute, 31.01.19, wieder ein Statement unseres Verkehrsministers. Er erwarte von den deutschen Automobilherstellern ein Schnelleres Vorgehen bei der Elektroauto-Entwicklung. Es müsse bezahlbare Elektroautos geben, Elektromobilität muss erlebbar sein. Klingt erstmal positiv.
Gleichzeitig werden aber CO2 Grenzwerte angezweifelt. Stickoxide sind auf einmal gar kein Problem mehr. Einem Tempolimit wird eine Absage erteilt.
Man scheut sich davor eine klare Linie vorzugeben. Diesel-Nachrüstung Ja, auf Kosten der Autohersteller; Nein. Alles wartet erst mal ab. Und so macht es dann eben auch ein Großteil der Autofahrer.

Mit der Verknüpfung dieser Themen erweist man der Elektromobilität eher einen Bärendienst. Man sollte das Augenmerk mehr auf die Vorteile legen, die ein Elektroauto bietet. Man kann nur Überzeugen. Und mit Dieselfahrverboten überzeugt man garantiert keinen.

Ein wahres Sammelsurium an Vorurteilen gegen die Elektromobilität hat vor einigen Tagen der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen Metall, der Metallindustriellen-Verband Niedersachsen eV., Volker Schmidt, in einem Zeitungsinterview abgefeuert. Ich will hier nur relativ kurz auf seine Argumente eingehen. Das Meiste wird, aufgeteilt auf die verschiedenen Themen, hier im Blog in gesonderten Artikeln dargestellt.
Dieses Interview strotzt allerdings so vor Falschaussagen das man es nicht unkommentiert stehen lassen kann und sollte. Zum nachlesen und wundern.

Verbraucher nehmen E-Fahrzeuge nicht an

Die EU versuche, die E-Mobilität mit der Brechstange einzuführen und zwar unabhängig davon, ob die E-Fahrzeuge vom Verbraucher überhaupt angenommen werden.

Lieferzeiten der aktuell gängigsten E-Fahrzeuge
Hyundai Kona 18 Monate
Kia d-Niro ca. 12 Monate
Hyundai Ioniq ca. 10 Monate, aktuell nicht bestellbar
Renault Zoe 4 Monate
Tesla Model 3 2 Jahre
Tesla Model S 3 Monate
VW e Golf 7 Monate
Audi eTron, Mercedes EQC, Porsche Taycan nicht bestellbar.

Ich denke, die Lieferzeit kommt nicht daher weil das alles Vorführwagen sein sollen, die mit Tageszulassung auf den Markt geschmissen werden, um Stückzahlen zu erreichen.

E-Mobilität ist die derzeit klimaschädlichste Antriebsart

Es wird immer wieder auf den CO2 Rucksack abgezielt, den das Elektroauto aufgrund seiner Batterie mit sich herumschleppt. Die CO2 Belastung sei so hoch, dass ein Diesel schon 200.000 Kilometer fahren muss, um soviel CO2 auszustossen wie die Herstellung des Akkus verursacht.

Herr Schmidt wörtlich: „Es ist ein gigantischer EU-amtlicher Selbstbetrug in Sachen CO2, denn E-Mobilität ist die derzeit klimaschädlichste Antriebsart. Doch wie sagt man so schön: Wenn alle dran glauben, ist das die schönste Form von Selbstbetrug.“ 

Wer begeht denn hier Selbstbetrug, Herr Schmidt? Ich glaube nicht, dass Sie die Fakten nicht kennen. Warum hier so gepoltert wird, dazu weiter unten mehr

Stichwort klimaschädlichste Antriebsart siehe in diesem Artikel.

Das E-Auto tankt überwiegend Kohle

So so. Gewagte These, Herr Schmidt. Haben Sie denn dazu auch Zahlen oder haut man einfach mal Einen raus weil man grad in Stimmung ist.

Herr Schmidt wörtlich: „Beim heutigen Strommix mit rund 55 Prozent aus fossilen Energieträgern tankt das E-Auto überwiegend Kohle.“

Deutscher Strommix 2018:
Braunkohle 24,3 Prozent,
Steinkohle 15,2 Prozent. Wenn ich richtig rechne sind das dann zusammen 39,5 Prozent.
Quelle: Fraunhofer ISE
Aber vielleicht wissen Sie ja da mehr als alle anderen, Herr Schmidt.

Der Strom reicht nicht

Auch immer wieder gern genommen am Stammtisch. Das Stromnetz bricht zusammen wenn alle Elektroauto fahren. Angesichts der oben genannten Lieferzeiten rechne ich nicht damit das Ende Januar 2019 43 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sind. Aber vielleicht lehne ich mich da ein bisschen weit aus dem Fenster.

Herr Schmidt sagt: „Wenn wirklich im prognostizierten Umfang E-Autos gekauft werden, steigt der Stromverbrauch bei uns exorbitant an. Diese Rechnung macht interessanterweise derzeit niemand auf.“

Doch Herr Schmidt, diese Rechnung wurde bereits durchgeführt, haben Sie vielleicht einfach übersehen in Ihrem begrenzten Umfeld.

Einige Informationen dazu, vom November 18, in meinem Artikel hier.

Zugegeben, der Artikel ist schon aus dem letzten Jahr, also wie Herr Schmidt schon sagt, derzeit mache ich die Rechnung nicht auf, sondern ein wenig früher als er.

Aber Verbrenner und Diesel, was ist damit

Papperlapapp. Einfach weiter so, da ist doch noch keiner dran gestorben, jetzt habt euch mal nicht so ihr Weicheier. So deute ich die Aussagen, aber lesen sie selbst.

Herr Schmidt spricht: der CO2 Ausstoss der Autoflotte ist ein Problem „…weil viele Kunden wegen des Dieselbashings auf Benziner umsteigen und so die CO2 Bilanz verschlechtern.“
Aber die Stickoxide….„Eine Scheindebatte. Es gibt bis heute kein einziges Beispiel dafür, dass durch Stickstoffdioxid im Straßenverkehr ein Mensch zu Tode gekommen ist.“ Die Grenzwerte…„nur politisch gesetzte Grenzwerte. Sie sind toxikologisch nicht zu begründen.“

Ein Fachwissen hat der Mann, dass muss man ihm lassen.

Ich empfehle dazu einen Bericht aus dem Manager Magazin.
Da werden Daten vom Umweltbundesamt zitiert. Herr Schmidt beruft sich auf Daten vom Bundesumweltamt, vermutlich eine andere Stelle….

Warum macht der das

Der Artikel muss relativ lang gelesen werden, um zu verstehen was den Mann antreibt. Gut, die Vermutung hat man auch vorher schon.

Er will den Diesel erhalten. Zitat:
„Wir leisten uns als einziges Land der Welt den Luxus, eine Spitzentechnologie wie den Diesel nach allen Regeln der Kunst kurz und klein zu schlagen. Wir ignorieren zudem, dass gerade die deutsche Zulieferindustrie in hohem Maße abhängig ist vom anspruchsvollen Dieselaggregat. Ein Dieselmotor beispielsweise hat ungefähr 2200 Teile. Ein Elektromotor hat 150. Alleine das wird unsere Zulieferindustrie vor große Herausforderungen stellen.“ – Quelle: https://www.svz.de/22121627 ©2019

Da kommt mir spontan die Satire in den Sinn. Mehrere Steinzeitmenschen ziehen durch die Straßen mit Transparenten:

Rettet die Faustkeilindustrie

Die Metallindustrie, also der Zweig den er vertritt, hat Angst vor dem Fortschritt. Sicherlich zum Teil auch berechtigt. Manche Betriebe haben die Zeichen der Zeit erkannt und befinden sich bereits in einem Umstellungsprozess. Hin zu neuen zukunftsfähigen Sparten.

Herr Schmidt, Sie sollten versuchen Ihre Mitgliedsbetriebe auf die Zukunft einzustellen und nicht auf die Zukunft zu schimpfen und den Fortschritt zu verteufeln. Das passiert in Deutschland die letzten Jahre leider viel zu oft.

Herr Dr. Volker Schmidt ist übrigens auch Aufsichtsratsvorsitzender der IdeenExpo GmbH in Hannover. Schon alleine deshalb sollte man doch erwarten, offen für die Zukunft zu sein.

Ich will nicht Schwarzmalen, aber die deutsche Autoindustrie muss sich sputen, um den Anschluß nicht zu verpassen. Sonst droht das selbe Schicksal wie für andere Weltmarktführer, siehe Nokia oder Kodak. Zu lange an überholter Technik festgehalten und nicht rechtzeitig auf Veränderung reagiert.

Interessant dazu auch:

Ich hoffe allerdings in dem Fall, daß ich mich täusche und die Autokonzerne mit ihren Entwicklungen bereits weiter sind als sie uns glauben lassen.

Ein Blackout in der Stromversorgung könnte eine Folge von zunehmenden Betrieb von Elektroautos sein.
So ein sich hartnäckig haltendes Vorurteil der Kritiker.

Stromverbrauch steigt unwesentlich

Es steht mehr als genug Energie zur Verfügung um auch erheblich mehr Elektroautos mit Ladestrom zu versorgen.
Ein aktueller Bericht bei firmenauto.de gibt an, dass

eine Million Elektroautos den deutschen Stromverbrauch um lediglich 0,35 % steigern würde.

Selbst wenn alle deutschen PKW, ca. 40 Millionen, elektrisch betrieben würden, führt das nicht zu einem Engpass in der Stromversorgung.
Und das mit ausschließlicher Versorgung durch erneuerbare Energien. Ohne Kohle- und Atomstrom. Was ein äußerst wichtiges Kriterium ist.

Die Versorgung mit erneuerbaren Energien steigt in letzter Zeit stark an.

Energieversorger sehen keine Gefahr

Große Energieversorger wie Eon und Innogy gehen davon aus, das bei Weitem ausreichend erneuerbare Energien zur Verfügung stehen um alle etwaigen Elektromobile mit Strom zu versorgen. Das Bundesumweltministerium ist zum gleichen Ergebnis gekommen.
Zudem werden praktisch zu keiner Zeit alle E-Autos gleichzeitig geladen.
Die Lösung um solche Szenarien erst gar nicht entstehen zu lassen, sind intelligente Ladesysteme. Aber die lassen noch auf sich Warten. Ebenso wie die Einführung intelligenter Stromzähler.

Konzept notwendig

Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen um die Stromversorgung intelligenter zu machen.
Nicht alleine die Dieselproblematik sollte im Vordergrund stehen. Nicht die Umstellung auf neuere Verbrenner sollte das Konzept sein. Vielmehr muss die Zeit jetzt genutzt werden um Alternativen aufzuzeigen und sich klar für einen Wandel der Mobilität einzusetzen.

Stromversorger und Politik gehören zur Entwicklung eines tragfähigen Plans an einen Tisch. Und dann sollte man erwarten können, das es genug schlaue Köpfe gibt um so ein Konzept für eine intelligente Ladestromversorgung auf die Beine zu stellen. Jetzt hat man es in der Hand die richtigen Strukturen zu schaffen.

Strompreise könnten sogar sinken

Die Strompreise für die Haushalte könnten durch den zunehmenden Strombedarf für Elektroautos sinken. Dies hat das  Frauenhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe errechnet. Angenommen wurde ein Bestand von 4 Millionen Elektroautos im Jahr 2030.
Auch hier ist der Knackpunkt der gewählte Ladezeitpunkt. Gesteuerte Ladevorgänge könnten die Stromnetze viel effektiver auslasten, weil Stromspitzen bei hoher Sonnen- und  Windkraft Einspeisung durch gesteuerte Ladevorgänge besser abgefangen werden können. Die Verlegung von Ladezeiten in die Nachtstunden wäre ein weiterer positiver Aspekt. Anreize könnten auch durch eine entsprechende Tarifgestaltung geschaffen werden. Eine flächendeckende Einführung intelligenter Stromzähler lässt ebenfalls auf sich warten.

Bei der aktuell stattfindenden Klimakonferenz in Kattowitz tritt man annähernd auf der Stelle. Im Bereich Verkehr hat man bisher keinen Durchbruch erreicht. Es hat sich in Sachen CO2-Ausstoß eine Steigerung im Bereich Verkehr ergeben. Trotz immer sauberer Motoren. Allerdings werden eben im Gegenzug die Fahrzeuge immer größer, schwerer und leistungsstärker.

Mit Geld kann man nicht Alles kaufen

Deutschland gibt mehr Geld in den Anpassungsfonds, der armen Ländern beim Kampf gegen den Klimawandel helfen soll. 
Gleichzeitig verfehlt man aber seine selbst gesteckten Klimaziele bis 2020 deutlich und erteilt auch einer CO2 Steuer eine klare Absage. Dieses Mittel wählen unter anderem Frankreich, Großbritannien und die Schweiz. Diese Länder hätten ein ganz anderes Steuersystem, betonte die Bundesumweltministerin Svenja Schultze. Über einen CO2 Preis könne man diskutieren, wolle aber Leute mit geringem Einkommen nicht belasten.
Ich bin sicher, die findige Steuergesetzgebung würde eine Lösung finden, wenn sie nur wollte.


Aus dem Verfehlen der Klimaschutzziele bis 2020 will man lernen und hat  jetzt erklärt, die  Ziele für 2030 zu erfüllen. Mit der Erklärung allein wird es allerdings nicht getan sein.
Für die Bemühungen Deutschlands beim Klimaschutz gab es auf der UN-Klimakonferenz den Preis: „Fossil des Tages“.
Immerhin gab Schultze an, dass es zum Kohleausstieg keine Alternative gebe. Man müsse sehen, wie man das mache und die betroffenen Regionen nicht benachteilige. 

Deutschland gibt keine Impulse im Kampf gegen den Klimawandel

Eigentlich sollten wir doch als eine der führenden Wirtschaftsnationen mit gutem Beispiel voran gehen. Dem ist leider nicht so.

Beim Klimaschutzindex, der jährlich vom NewClimate Institute und Germanwatch herausgegeben wird, ist Deutschland auf Platz 27 von 60. Gewertet werden dabei die weltweit größten CO2-Verursacher und die Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele. 
Dabei war Deutschland 2009 mal auf Platz zwei in dieser Aufstellung. 
Beim Emissionsniveau gibt es in Deutschland einen Stillstand auf hohem Niveau. Der ursprünglich einmal starke Ausbau der erneuerbaren Energien flaut ab. Der Kohleausstieg ist nach wie vor nicht beschlossen.
Die Verkehrswende kommt nicht voran.
Es bedarf einiger Anstrengungen um im Ranking wieder aufzusteigen. 

Übrigens sind die USA auf Platz 59, dem vorletzten Platz in diesem Ranking. Nicht verwunderlich, wenn man sich die gegenwärtige Politik ansieht.

Das statistische Bundesamt hat bekanntgegeben, dass der Autoverkehr für einen CO2-Ausstoß von 115 Millionen Tonnen verantwortlich ist.

Saubere Autos mit immer mehr Leistung

Das ist mit ein Grund, warum der CO2 Ausstoß trotz immer sauberer Motoren nicht wirklich abnimmt. Sieht man sich die neuen Automodelle an, so geht der Trend zu immer noch mehr Leistung. Ein weiterer Grund ist die gestiegene Fahrleistung pro Auto. Der Fahrzeugbestand nimmt ebenfalls zu.
Der momentan Hype um Dieselfahrverbote dürfte zu einer weiteren Steigerung der CO2 Belastung führen. Der Trend wird wieder hin zum Benziner gehen. Der Wechselwille zum Elektroauto ist nur schwach ausgeprägt.
Diese sind, zumindest im Betrieb, kein Verursacher von CO2.

Klimakonferenz in Katowice, Polen

Bei der Klimakonferenz  in Polen will man sich erneut für den Klimaschutz stark machen. Das gaben 16 Staats- und Regierungschefs zu Protokoll. Nur ein Lippenbekenntnis?
Es wird immer wieder um Grenzwerte gefeilscht. Zuletzt einigte man sich nach zähen Verhandlungen darauf, den
CO2-Ausstoß bei Neufahrzeugen bis 2030 um 35% zu senken.
Deutschland wollte eigentlich nur 30%, andere EU-Staaten 40% und mehr.

UN-Bericht meldet Rekordwerte

Laut einem Bericht des UN Umweltprogramms (Unep) müsste die internationale Gemeinschaft ihre Bemühungen mindestens verdreifachen um das Klimaziel des Pariser Abkommens einzuhalten. Es droht eine Erderwärmung um drei Grad.
Die Klimaziele rücken in immer weitere Ferne. Die G 20 Staaten sind nicht auf dem Weg diese Ziele zu erreichen. Einzig Brasilien, China und Japan liegen im Soll.
Die Konzentration von Treibhausgasen hat einen neuen Höchststand erreicht.
Der Unep Bericht rief dazu auf technische Innovationen und eine geschickte Steuerpolitik für einen klimapolitischen Umbruch zu nutzen. Fossile Energieträger müssten verteuert werden.
Einen kleinen Vorgeschmack haben wir aktuell schon an unseren Zapfsäulen. Und das wird bei Weitem nicht das Ende sein, auch wenn wir noch so lamentieren und auf die Grünen schimpfen. Es gibt keine Alternative.

Der Autoverkehr kann da sicherlich nur einen Beitrag leisten und ist nicht alleine verantwortlich. Aber es hilft nichts nur mit dem Finger auf andere zu zeigen, die noch mehr Dreck verursachen. Man muss alle Möglichkeiten zur Verringerung des Schadstoffausstoßes ausschöpfen.

Klage beim Bundesverfassungsgericht

Der Umweltverband BUND und der Solarenergie-Förderverein (SFV) haben zusammen mit mehreren Prominenten Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Gegenstand ist die Untätigkeit der Politik in Deutschland gegen die Bekämpfung des Klimawandels.

Es soll erreicht werden, dass Regierung und Parlament zu mehr Klimaschutz verpflichtet werden. Das Grundrecht auf Leben, Gesundheit und Eigentum ist zu schützen.
Das mindeste ist die Einhaltung des 1,5 Grad Ziel des Pariser Klimaabkommen. Auch davon ist Deutschland noch entfernt.

In den Niederlanden war eine ähnliche Klage bereits erfolgreich. Die Regierung wurde verurteilt die Treibhausgase bis 2020 um 25% zu senken. Der Staat muss ausreichend Schutz für seine Bürger bieten.

Sollte die Klimaklage beim Bundesverfassungsgericht angenommen werden ist damit zu rechnen das sich der Prozess über Jahre hinzieht. Wichtig ist den Klägern jedoch in erster Linie öffentlich Druck aufzubauen.
Im kommenden Jahr soll ein Klimaschutzgesetz beschlossen werden gegen das jetzt schon viele Lobbyisten und Bedenkenträger wettern.

Deutschland erreicht selbst gesteckte Ziele nicht

Deutschlands Klimaziele und die EU-Klimaziele für 2020 werden nicht erreicht. 1 Million Elektroautos bis 2020 werden nicht erreicht. Deutschland will weiter an der überholten 2 Grad Regel festhalten. Es bedarf verstärkter Bemühungen um beim Klimaschutz besser zu werden. Ein schnellerer Ausbau der Elektromobilität wäre ein probates Mittel. Die Ukraine zum Beispiel erhebt keine Einfuhrumsatzsteuer auf Elektroautos.
Solche Maßnahmen sind bei uns undenkbar. Aber sind Denkverbote in der jetzigen Situation überhaupt noch zulässig?
Wir müssen in die Gänge kommen!

Ein ausführlicher Beitrag zur Klimaklage ist auf oekonews.at erschienen

In Deutschland übt man sich derzeit im Spiel Schwarzer Peter.
Der wird munter zwischen der Regierung und den Autoherstellern hin und her geschoben. Jeder will die Elektromobilität voran bringen, das dauert zu lange und man schiebt die Schuld auf den jeweiligen anderen.
Zumindest gibt man aber nebenbei so halbwegs eigene Versäumnisse zu.

Positive Perspektive für das Auto fehlt

VW Chef Herbert Diess sagte der Bild am Sonntag, „Leider kann sich momentan kaum jemand in der deutschen Parteienlandschaft eine positive Perspektive für das Auto vorstellen“. In der Bundesrepublik fehle es an einer echten Agenda Auto.

Diess bemängelte weiterhin, dass es in Deutschland an der nötigen Infrastruktur für Elektroautos fehle.
Man könnte aber auch sagen, das von BMW, VW, Mercedes und Ford gerade im Aufbau befindende Ionnity Ladenetz macht zu langsame Fortschritte. Man nehme sich ein Beispiel an Tesla. Dort gibt es ein funktionierendes Super Charger Netz. Eigenfinanziert von Tesla. Ohne Schützenhilfe aus der deutschen Politik.
Man muss also nicht zwingend mit den Finger auf andere Schuldige zeigen.

Eine direkte Antwort auf den Vorwurf von Diess hat nun Bundesverkehrsminister Scheuer gegeben.

Wer die Politik auffordert eine Agenda für die Zukunft des Automobils zu entwickeln, muss erst einmal selbst zeigen was er drauf hat. Wer nur von der Herausforderungen der Zukunft redet, aber nicht die Produkte der Zukunft schnell in die Läden bringt, läuft Gefahr den Weltmeistertitel im Autobau zu verlieren. Es gehe nicht darum auf Autoshows immer wieder neue auf Hochglanz polierte Modellwagen unter dem Tuch hervorzuzaubern, sondern darum diese auch auf die Straße zu bringen.

Die Antwort von Diess lässt sicher auch nicht lange auf sich warten.

Fehlende Attraktivität deutscher Elektroautos

Wirtschaftsminister Altmaier hat vor kurzem die deutschen Hersteller gerügt, dass sie wenig attraktive Elektroautos bauen.
Mit Blick auf die amerikanische und asiatische Konkurrenz muss man ihm Recht geben.
Das Design und die Konzeption deutscher Elektroauto Modelle hat Nachholbedarf.
Ebenso Nachholbedarf bestehe beim Thema autonomes Fahren. Volkswagen Chef Diess gab an das er entschlossen ist, diesen Rückstand bei der Entwicklung aufzuholen. Er verwies jedoch darauf, dass viel von der staatlichen Regulierung abhänge.
Da ist er wieder, der schwarze Peter.

Es wird geredet und geredet. Während im Riesen Automarkt China gerade der Zug abfährt. Und ich bezweifle ob unsere deutschen Hersteller da noch aufspringen können, wenn sie nicht schnell in die Gänge kommen.